Kleine Sprünge Richtung Jazzhimmel
In Blues-Brothers-Manier: "Unlimited Blue" im Alten Kino
Ebersberg Ein klein wenig erinnert ihre musikalische Mission an die der Blues Brothers. Wie die coolen Jungs aus dem legendären Film einst auszogen, ihre frühere Band zusammenzutrommeln, um die guten alten Zeiten aufleben zu lassen, so haben sich unter Bandleader Stefan Zenker bei Unlimited Blue fünf Musiker zusammengefunden, die mit ihrem Sound die Klassiker des Jazz förmlich wiederbeleben. Ihre künstlerische Heimat sind die fünfziger und sechziger Jahre, die Studioräume des Labels Blue Note, in denen sich Wayne Shorter, Miles Davis, John Coltrane und Co die Klinke in die Hand gaben und den Jazz immer wieder neu erfanden. Am Samstagabend im Alten Kino in Ebersberg hat die Band ihre Botschaft vom Unlimited Blue nicht nur unter das zahlreich erschienene Publikum gejubelt, sondern gleichzeitig auch auf CD gepresst. Ein wenig nervös", so gestand Zenker in der Pause, sei er angesichts des imposanten Mischpultes schon gewesen, "denn schließlich musste bei der Live-Aufnahme alles passen". Die endgültige Formation der Band hat sich zudem erst kürzlich herausgebildet: vor vier Wochen sind Peter Tuscher (Trompete) und Bernhard Pichl (Piano) zur Stammformation, bestehend aus Stefan Zenker (Tenorsaxophon), Ernst Techel (Bass) und Max Mahlert (Schlagzeug), gestoßen und haben zwei Kollegen abgelöst. Doch es swingte sich zusammen, was zusammen gehörte. Die beiden Frontliner Zenker und Tuscher, die schon oft miteinander gejammt hatten, brachten bei melodischen Unisoni, mit denen sie viele Stücke anheben und enden ließen, ihre Instrumente zur Klangfusion oder lösten sich wie bei "Bye, bye Blackbird" gekonnt mit schmissigen Soli ab. Genial der motivische Raketenstart in Wayne Shorters "Black Diamond" oder die rhythmischen Ostinati, mit denen Schlagzeuger Mahlert Duke Ellingtons Caravan direkt nach New Orleans hineintrieb.
Überhaupt war dieser Abend der frischgemachten Jazzklassiker für jeden Hörertyp ein Genuss: für die, die in den vorderen Reihen andächtig lauschten und den Kopf selig in die aufgestützte Faust hineinwippten oder für die, die sich in der Tiefe des Raumes um die Bar gruppierten. Das mit der Aufregung war sowieso relativ: lässig das Tenorsax geschultert schlenderte Zenker in seinen Spielpausen zum Bühnenrand, wie einst der große Miles Davis mit seiner Trompete. So machte das Quintett seine "Seven Steps to Heaven" (vier kurze Hüpfer, drei längere Schritte), um den Zuhörern mit den Klängen von Joe Zawinul schließlich ein "Mercy, Mercy, Mercy" zuzurufen. Ein paar Cover-taugliche Schnappschüsse vom Bandleader noch, der genießerisch in der Hocke verweilte, dann war ein gelungenes Konzert zu Ende - und die Live-CD war im Kasten. STEFAN KÖNIG
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.267,
Montag, den 20. November 2006
, Seite 5