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Ode an die Familienplanung

Kabarettist Olaf Schubert weist mit Wortwitz und schrägem Gesang auf die bürgerlichen Pflichten hin


Ebersberg Eine Frage drängt sich automatisch auf, wenn man Olaf Schubert auf der Bühne sieht: Wie konnte George Clooney vergangene Woche ein zweites Mal zum "Sexiest Man alive" gewählt werden, wenn so harte Konkurrenz aus Deutschland kommt? Im grünen Pollunder, ohne Hemd darunter, zerschlissener Hose, gegelten Haaren und hoher Stimme begeistert der Kabarettist am vergangenen Freitag die "Männer und Männinnen" im Alten Kino gleichermaßen mit seinem Programm "Ich bin bei euch" und enttäuscht am Ende nur in der Hinsicht, dass er keine zweite Zugabe mehr gibt.


Schuberts großes Problem, oder, wie er sagte, "die Last auf seinem "kontravertikalen Gebälk", also den Schultern, ist die Tatsache, dass er als Prophet im eigenen Land nichts gilt. Dabei bemüht er sich doch ständig, Kontakt zu den einfachen, arbeitenden Leuten aufzubauen - "in den neuen Bundesländern nicht ganz so einfach". Schließlich hat Schubert seiner Mutter versprochen "in dieser kalten und digitalen Welt warm und analog zu bleiben".


Schubert spielt seine Rolle perfekt: Nervös und etwas verplant erzählt er von einem Morgen in seinem Leben, Problemen zwischen den unterschiedlichen "Genitalkästen", also Männern und Frauen, seiner fehlenden Begabung im handwerklichen Bereich ("weil der Schöpfer in dem Fall an mir vorbei geschöpft hat") und seinem ganz großen Anliegen: sein Kampf gegen die mangelnde Bereitschaft der Deutschen, Kinder zu zeugen.


Politisches darf natürlich nicht fehlen, auch wenn es nur einen kleinen Teil seines Programms ausmacht. So klagt er über die Politiker in der "parlamentarischen Schwatzbude", indem er "Öl in den Chefsalat der Herrschenden" gießt. Die Besonderheit an seinem Programm sind die Lieder, die er zusammen mit Bert Stephan an der Bassgitarre und Jochen Barkas an der Akustikgitarre zum Besten gibt. Mit eher bescheidenem Gesangstalent, das er jedoch durch Inbrünstigkeit und Improvisationseinlagen auszugleichen versucht, will er da im Lied "Zeugt" die Deutschen zur Fortpflanzung bewegen. Das Liebeslied betitelt er statt mit einem konkreten Namen schlicht mit "Du" - man weiß ja nie, welche Frauen man noch so kennen lernt.


Mit zahlreichen Wortspielen, -verdrehungen und -neuschöpfungen sowie völlig deplatzierten Fremdwörtern, für die er sowieso eine Vorliebe hat, bietet er ein ganz anderes Programm als viele Kollegen. Genial auch das Zusammenspiel von Schubert und seinen beiden musikalischen Begleitern. So wird das Alte Kino für zwei Stunden zur "geistigen Start- und Landebahn für die philosophischen Luftschiffe" Schuberts.


ANNIKA BINDER


Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.267, Montag, den 20. November 2006 , Seite 5
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