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Arithmetik des Hirnschmalzes

Sigi Zimmerschied feiert im Ebersberger Alten Kino eine gelungene Vorpremiere


Ebersberg Ein reines Bühnenprogramm hatte Sigi Zimmerschied im Vorfeld der Vorpremiere seines neuen Solos "Hirnrisse" im Ebersberger Alten Kino versprochen. Ja keine Spaziergänge durchs Auditorium zu machen, hatte der Passauer angekündigt, und doch dauerte es am Freitag keine zehn Minuten, ehe Zimmerschied sein erstes Bad in der Menge genoss. Allzu viel Freude bereite ihm schließlich die stille Ratlosigkeit seiner Zuhörer und der schreibenden Zunft, die sich in schöner Regelmäßigkeit den Kopf darüber zerbricht, welch intellektuelle Raffinesse sich hinter des Kabarettisten Ausflug verbirgt. "Das hat doch früher nicht einmal die Süddeutsche verstanden und sich danach in Hymnen der Verzweiflung ergossen", feixte Zimmerschied. Im Alten Kino jedenfalls begeisterte der wortgewaltige Poet auf der Bühne und inmitten seines Publikums mit herrlicher Satire.


Der Ausgangspunkt seines neuen Solos stellt eine Zeitungsmeldung aus der Boulevardpresse dar: Ein Amerikaner feuerte sich mit einer Nagelpistole zwölf Metallstifte in den Kopf, ohne bleibende Schäden davon zu tragen. Der "Zwölfer" ist also die neue Maßeinheit für Glück, wie das Abitur - nur ohne Hirn. Die SPDler versuchten hingegen, sich einen dreizehnten Stift in den Kopf zu nageln, um doch irgendwann für die bessere CSU gehalten zu werden. Von den Nullern, die höchstens noch zur Regieassistenz bei Florian Silbereisen taugten, über hartzige Vierer bis hin zum "Obersiebener Bene" teilt Zimmerschied die Menschheit neu ein. Der Papst hätte bei seinem Besuch in Bayern Zimmerschieds Erwartungen freilich erfüllt - nach fünf Tagen ist er ja wieder abgereist. Da der Passauer ohnehin ein besonderes Verhältnis zu katholischen Kirche pflegt, ließ ihn der Besuch des Pontifex nicht mehr los: "Als Papst sinnierst du über die Gnade der Intelligenz, und auf einmal steht der Huber Erwin vor dir. Da bekommt selbst das Oberhaupt des Instituts für angewandte Schizophrenie einen Schock."


Ins Visier des so herrlichen respektlosen Kabarettisten gerät aber nicht nur Papst Benedikt XVI.. Die Regierung sei ja nur noch eine Alzheimer-Combo, die aus der Riesterrente demnächst die Hessters-Rente machen werde, bei der Bundeswehr sei spätestens seit Stalingrad der Wurm drin und nach dem Gammelfleischskandal gehe die Angst um, in der Kantine den Heldentod sterben zu müssen.


Sigi Zimmerschied darf trotz des gebrochenen Versprechens, nicht mehr im Publikum umher zu wandeln, seine Vorpremiere als Erfolg werten. Die Ebersberger jedenfalls verziehen dem großen Kabarettisten diesen kleinen Ausrutscher. MARTIN MÜHLFENZL


Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.261, Montag, den 13. November 2006 , Seite 5
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