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Energiegeladen und rebellisch


Ebersberg Nic Olsens etwas gepresst wirkende Stimme erinnert ein bisschen an Kermit den Frosch. Wenn er singt, stößt er mit den Lippen gegen das Mikrofon, am Anfang umklammert er den Mikrofonständer noch auf halber Höhe mit beiden Händen, dass die Fingerknochen weiß hervortreten. Später dann, im zweiten Set, als der Takt schneller und die Musik lauter wird, wirbelt der zierliche Australier völlig enthemmt und wie in Extase mit den Händen umher und brüllt kratzig seine Texte von Toleranz und den Merkwürdigkeiten des Menschseins heraus. Dann zündet er sich eine Kippe an und pafft weiße Wölkchen in die Luft.


"Go Panic" heißt seine Band, mit der er den Samstagabend im Ebersberger Alten Kino gestaltet, und restlos begeistert hat. Und selbst das wäre eine ziemliche Untertreibung. Denn selbst die Mid-Tempo-Nummern entwickeln bei "Go Panic", eine aus Musikern von beinahe jedem Kontinent zusammengewürfelte Band, eine ungeheure Energie, die sich durch das gesamte Konzert zieht. Der Stil von "Go Panic", der irgendwo zwischen Indie, Glamrock und Grunge liegt, ist so rau, so rebellisch, dass er den handelsüblichen US-Großrock spielend leicht in den Schatten stellt. Bei ihrem tief gelegten Breitwandrock mit feinen psychedelischen Momenten weiß jeder Musiker in dieser Band genau, wann es laut oder leise zugehen muss, wann besser schmirgelig-rau und wann herzzerreißend melancholisch.


Zwischendurch gehen die Lichter aus, der Spot an und mittendrin sitzt der amerikanische Drummer Jim Calhoun, der schelmisch grinsend ein gefühltes zehn-Minuten-Solo auf die Fälle klopft, dass seine Schweißtropfen aus dem Lichtkegel fliegen und die Zuhörer in einem fast vollen Alten Kino scheinbar um die Wette johlen.


Auch damit positionieren sich "Go Panic" unendlich weit weg von den offiziellen Gewinnern des jüngsten Rock-Hypes: Das bedeutungsentleerte Rock"n"Roll-Cabaret der Hives ist dieser Gruppe genauso fremd wie der überschäumende Babyshambles-Wahnsinn oder die fast zwanghaft alle positiven Zielsetzungen ablehnenden Strokes.


In jedem einzelnen Go Panic- Song liegt ein Versprechen: Ein paar Minuten - also etwa die Länge einer von Nic Olsen gepafften Zigarette - reichen, um die Rockmusik ganz neu zu erfinden. Es ist zwar immer der gleiche Vier-Viertel-Takt, aber zigtausend neue Möglichkeiten. Das Versprechen halten sie. Den ganzen Abend lang.


Eine Band diesen Kalibers hat es einfach einmal wieder gebraucht! Umso schöner, dass sie jetzt endlich auf den Bühnen steht. THORSTEN RIENTH


Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.255, Montag, den 06. November 2006 , Seite 5
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