Unmut im Spiegel des Alltäglichen
H.G. Butzko sorgt im Alten Kino für gute Unterhaltung
Ebersberg Glücklich ist H.G. Butzko mit der politischen Situation im Lande nicht gerade: In seinem Programm "Voll im Soll - Mit Laune am Limit" hat der Kabarettist im Ebersberger Alten Kino seinem Unmut auf satirische Art Ausdruck verliehen und damit bei den zahlreichen Zuhörern viel Zustimmung geerntet. Zugegeben, es ist nichts Neues, wenn Kabarettisten über die aktuelle wirtschaftliche und politische Lage Deutschlands schimpfen, aber Butzko verband seine Themen so geschickt mit Alltäglichem, dass man keine Minute schlecht unterhalten war.
Ein Beispiel für die Verbindung aus Alltag und Politischem waren seine Thesen über den typischen weiblichen Einkaufsrausch: Butzko sieht darin nicht nur den Sinn, das Geld der Männer innerhalb kürzester Zeit auszugeben, nein, dadurch werde auch gleich das Wirtschaftswachstum in Deutschland gefördert. Allerdings zeigte der Kabarettist nicht nur Verständnis für die weiblichen Einkaufsgepflogenheiten: Endgültig Schluss sei, wenn für Frau auch noch Stichsäge und Bohrer zusammen passen müssten - farblich natürlich. Geschlechterkampf also, aber auch wenn der kein wirklich originelles Thema für einen Kabarettisten ist, amüsierte sich nicht nur das männliche Publikum über die machohaften Sprüche.
Als roter Faden durch sein Programm diente Butzko Angela Merkels Buch "Mein Weg", aus dem er immer wieder "silbengenau und aus dem Zusammenhang gerissen" zitierte - was beim Publikum für viel Vergnügen sorgte. Dass Angela Merkel beispielsweise in dem Buch äußert, "Blicke hören zu können", führte Butzko zu der Theorie, dass die Bundeskanzlerin eigentlich nur eine Außerirdische sein könne. So verstand man am Ende dann auch seine These, "dass die CDU wohl an der fünf Prozent Hürde gescheitert wäre, wenn die Deutschen zuvor Angela Merkels Buch gelesen hätten".
Mit ähnlichem Lacherfolg behandelte Butzko noch das Ladenschutzgesetz, die Gesundheitsreform , die Staatsverschuldung und natürlich durfte auch ein wenig Außenpolitisches nicht fehlen. Zwar ging der ein oder andere Witz auch mal ein bisschen unter die Gürtellinie - "die Bild-Zeitung ist die kleine Portion Goebbels, die jedes Land aushalten muss" - doch Butzko überschritt die Grenzen des intelligenten, politischen Kabaretts nie grob und sorgte so in Ebersberg für zwei Stunden wirklich gute Unterhaltung. ANNIKA BINDER
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.230,
Freitag, den 06. Oktober 2006
, Seite 6