Fulminante Welt-Uraufführung in Ebersberg
Ein Meister des unerwarteten Witzes
Rick Kavanian begeistert das Publikum im Alten Kino selbst mit seinen ungewollten Versprechern
Ebersberg Es gibt einen Moment, dem Rick Kavanian etwas ängstlich und mit viel Respekt entgegen fiebert: Im Oktober wollen seine Eltern, den langen Weg aus den USA auf sich nehmen, um dem ersten Soloprogramm ihres Sohnes beizuwohnen. Versagensängste plagen Kavanian dabei nicht - vielmehr sieht er mit Spannung der Reaktion seiner Eltern entgegen, denen er tragende Rollen in seinem Programm "Kosmopilot" zugedacht hat.
Die Besucher im ausverkauften Alten Kino in Ebersberg kamen am vergangenen Donnerstag in den Genuss der Welturaufführung - und durften dabei einen ebenso witzigen wie wandlungsfähigen Rick Kavanian bestaunen. Nach vielen Jahren vor Mikrofon und Kamera war dem kongenialen Partner von Michael "Bully" Herbig die Nervosität deutlich anzumerken - noch saß der Text nicht perfekt, manch Übergang gelang nicht nach Wunsch. Aber Kavanians Talent zur Improvisation hat sich letztlich auch bis Ebersberg herumgesprochen, und so erntet der Münchner auch und gerade für seine kleinen Versprecher und daraus resultierende spontane Pointen tosenden Applaus.
Das einstudierte Programm hingegen entwickelte sich erst nach der Pause zu einem Feuerwerk an Witz und Esprit. Der Plot ist dabei einfach und doch auch tiefgründig: 14 Tage muss der Strohwitwer Kavanian ohne seine Frau auskommen - genannt die Rückkehr des "Aufrechturinierers" - und soll dabei die "Das-musst-du-erledigen,-so-lange-ich-weg-bin-Liste" seiner Gattin abarbeiten. Freilich gelingt dies nicht, vielmehr erlebt das Publikum ein Wiedersehen mit zahlreichen bekannten Gestalten aus Kavanians filmischer Biographie sowie Personen, an den der geübte Comedian nicht vorbeikommen kann: Kavanian ist ein begnadeter Stimmenimitator, schlüpft mühelos in Rollen und zaubert dadurch Edmund "Rüdiger" Stoiber ebenso glaubhaft auf die Bühne wie die "Spätzleschwuchtel" Klinsmann oder Franz Beckenbauer.
Dialekte sind seine Leidenschaft, und er beherrscht sie in Perfektion - er ist ja schließlich Kosmopilot. Auf schwyzerdütsch brilliert er ebenso mühelos mit dem Begriff PSIO, "Personal-Snowboard-Instructor, oder!", wie als schnatternde fränkische Kioskverkäuferin, die sich verbal mit den Klitschko-Brüdern herumschlagen muss.
Kavanian wagt aber auch einen Ausflug in die eigenen Vergangenheit und berichtet fröhlich von seinen ersten Erfahrungen mit der asiatischen Kampfkunst "Kibotu", die sich für ihn - durch seine Mutter in eine enge Strumpfhose gezwängt - schnell als die Hölle des Kinderbodenturnens entpuppte: Von Bruce und Lee oder gar Feuer speienden Drachen weit und breit keine Spur. Besondere Erwähnung findet auch ein Zusammentreffen seines Vaters mit Edmund Stoiber bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises Stoiber sei ja auch ein "Landesvati" bemerkte Kavanian Senior dabei süffisant.
Die Reaktion seiner Eltern muss Kavanian aber nicht fürchten. Sympathisch, zum Schreien komisch und nah am Publikum präsentiert sich der Kosmopolit an diesem Abend. Er selbst dankte nach der gelungenen Premiere dem Ebersberger Publikum mit einem symbolischen Kniefall auf die Bretter des Alten Kinos. MARTIN MÜHLFENZL
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.221,
Montag, den 25. September 2006
, Seite 5