Integriert für einen Nachmittag
Die Künstler der Offenen Behindertenarbeit finden im Alten Kino viel Anklang
Ebersberg Zu einem Kleinkunsttag mit buntem Programm für Menschen mit und ohne Behinderung haben die Mitglieder der Offenen Behindertenarbeit (OBA) am Samstag ins Ebersberger Alte Kino eingeladen. Eine Vernissage samt Versteigerung von Kunstwerken, Theater und Musik standen auf dem Programm, das gemeinsam vom Bayerischen Roten Kreuz Ebersberg, dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt und dem Ebersberger Kreisjugendring auf die Beine gestellt worden war. Zwar waren die Namen der Künstler nicht so bekannt, wie es sonst im Alten Kino üblich ist, doch die Leistungen waren umso beachtlicher: Im voll besetzten Saal präsentierten Künstler mit geistiger Behinderung unter großem Applaus ihr Können.
Eröffnet wurde der Nachmittag mit einer großen Vernissage. Etwa fünfzig Bilder behinderter Künstler waren an den Wänden des Saals und auf der Galerie ausgestellt. Entstanden sind die meisten der Kunstwerke in der Malgruppe der OBA des Bayerischen Roten Kreuzes unter der Leitung von Steffi Beißer. Die Motive waren so unterschiedlich wie die Künstler selbst: Das Spektrum reichte von abstrakten Werken, die ihre Wirkung durch Muster und Farbkombinationen erzielen, bis hin zu konkreten Motiven in millimetergenauer Feinarbeit, meist in Pigment auf Leinwand oder Malplatte. Die anschließende Versteigerung der Kunstwerke durften die Künstler von der Bühne aus begleiten. Auktionator Billy Lord gab ihnen während der Auktion immer wieder Gelegenheit, etwas über ihre Bilder zu erzählen, bevor sie ¸¸unter den Hammer" kamen.
So erzählte Susi, dass sie ihr Sonnenbild gemalt habe, weil sie das Leuchten und die Wärme der Sonne so möge. Weitere Künstler berichteten, sie bekämen ihre Ideen durch ihr Umfeld, durchs Fernsehen oder bei den Ausflügen, die sie gemeinsam mit der seit zehn Jahren bestehenden Malgruppe unternehmen. Das Mindestgebot je Bild lag bei zehn Euro - doch gingen die Gebote sehr schnell nach oben, denn viele Bieter ließen sich von der guten Stimmung mitreißen. So kam es, dass der eine oder andere sogar mehr Geld bot, als er überhaupt im Portmonee hatte. Markt Schwabens Bürgermeister Bernhard Winter hat sich nach eigenen Worten sogar verschuldet, um ein Meeresmotiv mit Fischen und Seesternen zu ersteigern.
Etwas später waren die Kleinkunsttag-Besucher zu Gast im ¸¸Hotel der guten Laune". 18 Schauspieler der Theatergruppe des Betreuungszentrums Steinhöring haben sich ihr Stück mit diesem Namen selber ausgedacht und die Rollen nach den jeweiligen Stärken der Akteure verteilt. Zum Ausklang des Abends sorgte die Rock-Pop-Band ¸¸Das grüne Klapprad" des Franziskuswerks Schönbrunn noch einmal für ausgelassene Stimmung im Saal. DIANA THALHAMMER
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.122,
Montag, den 29. Mai 2006
, Seite 5