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Euphorisierend-exotisches Potpourri

Peter Schneider und ¸¸The Stimulators" haben das Publikum im Ebersberger Alten Kino erneut im Griff


Ebersberg Das muss dem Peter Schneider erst einmal jemand nachmachen: das Publikum bereits nach drei Songs soweit zu haben, dass es tanzt und ein paar hundert Kehlen lauthals ¸¸Flying down to Rio" mitsingen. Welch ein Auftakt für die Münchner Band ¸¸Peter Schneider and the Stimulators" im ¸¸Alten Kino", wo sie am Freitagabend - mal wieder - die gesamte Bandbreite vom Jugendlichen bis zum Rentner restlos begeistert haben.


Und wie schön, dass sich diese siebenköpfige Band kein bisschen geändert, sondern ihre Schiene gefunden hat: Eine, die sie immer weiter, immer weiter weg von jeglichem musikalischen Mainstream rattern lässt. Was die ¸¸Stims" hier machen, ist eine euphorisierende, exotische Mischung aus Saxophon, Trompete, Schlagzeug, Percussion, Congas und allerlei Gitarren. Dazu packen sie eine schier unübertreffliche Spielfreude und einen ganzen Haufen von effektvollen Stilmixturen hinein - so dass es am Ende beinahe in den Hintergrund gerät, wenn sie mir nichts, dir nichts Chuck Berry in Cuba auferstehen lassen. Über Stunden halten die ¸¸Stims" scheinbar mühelos ihre karibisch gefärbte Rhythmus-Maschinerie mit bisweilen afrikanischen Wurzeln am Laufen - ihre Pausen sind nur so kurz, wie sie brauchen, um ein Getränk hinunter zu spülen.


Ist die vorbei, geht es weiter mit der bis ins allerletzte Detail gelungenen Fusion aus unzähligen Genres: Funk, der neben Blues und Latin-Jazz eine kleine Grundlage ihres Schaffens ist. Rock, der dem Konzert gleich eine ganze Pfefferplantage mit auf den Weg gibt, sodass es kaum mehr jemanden auf dem Stuhl hält. Reggae und Ska, die Füße und Hüften in jedem Winkel des Alten Kinos wippen und kreisen lassen, runden das Ganze ab, ehe noch der musikalische Feinschliff von Swing, Samba und Salsa hinzu kommt. Ein musikalisches Potpourri eben, dessen Chill-out-Sound und groovigen Beats sich niemand entziehen kann. Oder will.


Bei seinen Soli wird Schneider ein zweiter Carlos Santana. Seine Hände umschlingen den Gitarrenhals, dass seine Fingergelenke weiß hervorstechen, schmerzverzerrt ist seine Mimik, während er mit dem Pick die Saiten entlang schrammt und es die virtuosesten Töne auf die Ohren gibt. Von den ¸¸Stims" will man sich eigentlich keine CD kaufen. Man will sie mitnehmen. Nach Hause ins Wohnzimmer, sie dort das ganze Wochenende lang spielen lassen, und dazu durch die Wohnung springen. THORSTEN RIENTH


Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.112, Dienstag, den 16. Mai 2006 , Seite 5
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