Wo Opas mit Papis und Enkeln rocken
Das Ebersberger Kneipenfest erlangt im zweiten Anlauf Serienreife
Ebersberg
So etwas kann doch einfach nur Spaß machen: Man bezahlt einmal zehn
Euro für ein Ticket-Armband und kommt dafür den ganzen Abend lang in
acht Kneipen rund um den Ebersberger Marktplatz, in denen jeweils zur
vollen Stunde eine Band mit ihrem Set beginnt. So haben die
Organisatoren des Ebersberger Kneipenfestivals ihr Konzept umgesetzt
und damit voll ins Schwarze getroffen: Der Event am Samstagabend lockte
beinahe tausend Musikfans aus Ebersberg, Grafing und Umgebung aus den
Wohnzimmern in die Gaststätten.
950
Tickets hatte der Veranstalter ¸¸Rock ME" für den Multikonzertabend
verkauft. Schon mit 800 wäre man zufrieden gewesen, sagte ¸¸Rock
ME"-Vorsitzender Harald Schmid. Freilich sei das ein großer Erfolg,
sagte er. Anscheinend ¸¸hat es den Leuten hier wirklich gefallen",
freute sich Schmid, der von den Gästen bisher nur Positives gehört hat.
Das lag wohl auch daran, dass ¸¸eigentlich jede einzelne Kneipe ganz
gut besucht war". Die 950 Ticketkäufer hatten sich recht gleichmäßig
auf die acht Kneipen verteilt und wechselten je nach Lust und Laune die
Lokalitäten.
Riesig
war die musikalische Spannweite der dieses zweiten Ebersberger
Kneipenfests. Mit den ¸¸Jazz Affairs", bei denen Grafings Altmeister in
Sachen Jazz Josef Amtesbichler am Kontrabass stand, ging es im neuen
¸¸Oberwirt" ganz gediegen zu. Ein paar Straßen weiter, im Ebersberger
Jugendtreff, spielte mit ¸¸Splendour" eine ebenso waschechte Rockband
wie ¸¸Rat Road" in der Musikbar ¸¸Seerose". Ganz anders wiederum war
die Stimmung in der ¸¸Essco.bar", wo bei ¸¸Shurano" Temperament und
Melancholie aufeinander trafen und ein bis auf den letzten Platz
gefülltes Lokal mit dem ganzen Facettenreichtum von Flamenco und
Weltmusik begeisterten.
Ganz
klassisch war die es dagegen im Restaurant ¸¸El Macho", wo die
altbekannten Herren von ¸¸Mardi Gras" spielten. Rhythm and Blues war
den ganzen Abend im Alten Kino zu hören, wo ¸¸Second Hand Man" auf der
Bühne standen. ¸¸SteinZeit" musizierten im ¸¸Fidelio" am Klosterbauhof
und ¸¸Kadushi" im ¸¸La Gallinera". Wer nach der Sperrstunde noch immer
nicht genug Töne in den Ohren hatte, der ging in die Sieghartsburg, wo
¸¸Wasteland" für Opas, Papis und deren Enkel und Söhne rockten.
Spätestens damit dürfte das Kneipenfest Serienreife erlangt haben.
Für
die landkreisweite Musikinitiative ist die Marschrichtung nun klar: Nur
nicht den Schwung verlieren und wieder in der Versenkung verschwinden.
Glaubt man ¸¸Rock ME"-Chef Schmid, dann besteht diese Gefahr nicht. So
eine Zuhörerzahl wie am Samstagabend mache Mut für eine dritte Auflage
der stadtweiten Party. Die soll dann im nächsten Frühjahr wieder zu
hören sein.THORSTEN RIENTH
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.94,
Montag, den 24. April 2006
, Seite 5