Django Asül im ausverkauften Alten Kino

Zur Tradition die Familie rituell abzuschlachten

Mit radikalem und bisweilen blutigem Humor entlarvt der niederbayerische Türke die Lächerlichkeit kultureller Klischees


Ebersberg Es war einmal eine Zeit, da Rollenklischees leicht zu handhaben waren. Das ist lange her. Der arbeitsame Deutsche ist Geschichte. Er kann nicht mehr unter sich sein, nachdem der Türke im grauen Zwirn des Abteilungsleiters kulturneutral veredelt über ihm sitzt. Für den niederbayerischen Türken Django Asül sind die ins Kraut schießenden Klischees der Stammtische und Medien über ¸¸die" Türken, Deutschen, Amerikaner der ideale Stoff für eine ironische Travestie der Kulturen, die er am Donnerstag- und Freitagabend im Alten Kino gezeigt hat.


Beginnen wir beim Türken, diesem uneuropäischen Schreckgespenst, das ¸¸lieber Deutscher wird als sich zu integrieren": Nach dem blutigen Drama einer türkischen Familie in Ettlingen sei der Bayerische Rundfunk auf ihn zugekommen, damit er die Strukturen einer ¸¸typischen türkischen Familie" skizziere - als ob hier ein blutiges Stammesritual vollzogen worden sei. Django Asül erläutert hilfsbereit, wie es so zugeht bei Mehmets: ¸¸Der Vater darf die Kinder umbringen, die Mutter den Vater, der Onkel die Mutter und der Schwager kann froh sein, wenn er heil davon kommt." Wer das nun glaubt, dem sei die konfuzianische Weisheit von Papa Asül ans Herz gelegt: ¸¸Wenn du so blöd bist, dann tu es."


Apropos Blödheit: Jassir Arafat und Ariel Scharon (¸¸Schon der Name klingt nach ethnischer Säuberung.") führen ihren Sechs-Tage-Krieg von 1967 weiter fort. Inzwischen dauert er schon länger als der Dreißigjährige Krieg. Dreißigjähriger Krieg, Sie erinnern sich? Anno 1618 bis 1648, damals ¸¸powered by Ikea".


Apropos Erinnern. Die Bundesregierung treibt zügig die Arbeiten am Holocaust-Mahnmal in Berlin voran. Die Motive sind nicht edel, glaubt der Kabarettist, folgen sie doch der Logik: Mahnmal gebaut, Gewissen beruhigt, Geschichte abgehakt. Die Welt ist voller Milchmädchenrechnungen: Türken machen nur Geschäfte mit Obst, Gemüse oder Drogen. Amerikaner sind oberflächlich. Kopftuchträger sind Fundamentalisten. Django Asül greift diesen Unfug auf und rechnet ihn genüsslich zu Ende: ¸¸Meine Mutter trägt im Winter immer ein Kopftuch", sagt er. Also sei sie eine ¸¸Halbjahresfundamentalistin".


Der CDU-Chefin Angela Merkel, die aussehe ¸¸wie ein Bernhardiner mit Kreislaufschwäche", rät er mit bösartiger modischer Besorgtheit, es nicht erst mit einem Kopftuch zu versuchen, sondern sich lieber gleich zu verschleiern. Das klingt vielleicht radikal. Aber als Freidenker ist Django Asül ein gnadenloser ¸¸Hardliner".


GREGOR SCHIEGL