¸¸Das Lied,
das wir jetzt singen, ist auch ziemlich schlecht"
Eckige Musik,
runde Köpfe und schräger Humor
Das
skurrile A-cappella-Quintett ¸¸Basta" treibt das Publikum im ¸¸alten
kino" zu Lachtränen
Ebersberg Heute reden wir über Audio-Wolpertinger, eine ganz besondere Gattung
aus dem akustischen Monster-Streichelzoo der A-cappella-Komödianten. Dieser
Audio-Wolpertinger ist ¸¸ein Fabelwesen aus einer anderen Zeit mit einem Körper
und fünf Köpfen", so rappt das Ungetüm selbst. Es hört übrigens auf
den schönen teuto-latinischen Namen ¸¸Basta", stammt nicht aus dem
Bayerischen Wald und auch nicht aus dem Weltall, wie es am Samstag Abend beim
Aufenthalt im ¸¸alten kino" mit galaktischem Brimborium glauben machen
will, sondern aus dem Rheinischen.
¸¸Basta", das sind fünf mehr oder weniger große Herren mit Goldkehlen,
die als Zweck ihres Gesangs bewusst das Entertainment gewählt haben und die
Kunst ¸¸nur" als Handwerksform. Auf der Textebene - wir entnehmen dem
Text dem eingang erwähnten Hiphop-Song ¸¸Basta im Haus" - sieht das dann
so aus: ¸¸Musik kommt aus unserem Mund, sie ist eckig und nicht rund".
Doch dann unerwartet die Balkonszene aus ¸¸Romeo und Julia" auf, mit der
sie einen reflektiert selbstironischen Bruch üben: ¸¸Wir sind die Lerche,
nicht die Nachtigall".
Der Kürzeste der Fünf ¸¸Bastas", Werner Edelmann, schwenkt dazu gleich
einer Comicfigur (Calimero möglicherweise) den Kopf mit riesiger Pudelmütze.
Hinter ihm im Rastamann-Outfit läuft Basta-Chef William Wahl wie jemand, den
die Wasserkraft der Blase antreibt, hektisch reimend über die Bühne.
Die Kombination von Verfremdungen, Neukombinationen, Persiflagen und
staubtrockener Ironie machen den geradewegs astronomischen Spaßfaktor von ¸¸Basta"
aus. Chefparodist der Truppe ist René Overmann, der als Herbert Grönemeyer den
Schlager ¸¸Er gehört zu mir" singt und dabei ein außerordentliches Gespür
für die Macken des knödelnden Popbarden beweist. Er nuschelt und haspelt, stößt
Unverständliches mit wildem Weltschmerzblick hervor. Als bluesig versoffener
Dean Martin singt er, nur unterbrochen von großen Schlücken aus dem Weinglas,
ausgerechnet Madonnas ¸¸Like a Virgin". Und als er als affig
stolzierender Mick Jagger mit Gummibinde um den Kopf Mikrophone zerlegt, versagt
auch William Wahl vom Background-Blockflötensatz die professionelle
Ernsthaftigkeit und kann nur noch hilflos in seine Flöte kichern.
Mit der Ernsthaftigkeit hatz auch der sauertöpfischste Zuschauer an diesem
Abend seine liebe Not. Denn selbst in den Moderationen lauern bei ¸¸Basta"
die Gags wie Heckenschützen. ¸¸Die Wirtschaftslage ist ziemlich schlecht,
dazu passt dieses Lied", kündigt Wahl ein Liebeslied an. Die Begründung:
¸¸Das Lied ist auch ziemlich schlecht." Im September kehren die
fabelhaften Fünf ins ¸¸alte kino" zurück. Dann heißt es wieder ¸¸Basta
im Haus". Da wird was los sein. GREGOR SCHIEGL
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.96, Montag, den 26. April 2004 , Seite 2