Das Leben ist ein Spiel
... und Improvisation von John Hudson seine Regel
VON EVI THIERMANN Ebersberg - Wer sich am Samstag im alten kino auf einen entspannten Zurücklehn-Abend gefreut hatte, der hatte sich geirrt: "Sie sind nicht beim Fernsehen", stellte der neuseeländische Schauspieler und Künstler John Hudson gleich von Anfang an klar, "und sie können nicht umschalten!" In seiner Kiwi-Impro-Show verlangte der ebenso quirlige wie wandlungsfähige Meister aller Improvisationen seinen Gästen vieles ab.

 

Improvisiert werden musste wohl auch beim eigenen Partner, denn statt Murray Fahey aus Australien, der John Hudson in dieser Show normalerweise begleitet, erschien die schöne, um einen Kopf größere, deutsche Sonja Kling. Dies trug dazu bei, dass der Untertitel "in schlechtem Deutsch und gutem Englisch" zu einer verständlichen Sprachmischung wurde.

Denn der sich selbst als "echt Kiwi-Man" vorstellende Entertainer spricht vornehmlich Englisch. Die typisch britische Vornehmheit und Zurückhaltung liegen von seiner Darbietung allerdings ebenso weit entfernt, wie die Themse von Neuseeland. Witze, wie die anatomische Interpretation einer großen Kiwi-Scheibe oder die Frage "wie pflanzt sich der Kiwi-Vogel ohne die unterstützende Hilfe der Flügel fort?" würden bei jedem anderen geschmacklos wirken.

Aber bei John Hudson muss man dank seines komischen Talents und seiner rückhaltlosen Unverblümtheit doch lachen. Selbst Mary Poppins wird bei ihm zum Pornostar. Rein linguistisch gesehen, versteht sich.

Inhalt des Abends waren Anregungen und die aktive Mitwirkung der Zuschauer. John und Sonja fungierten nur als Reflektoren der Inputs von außen, als schauspielerische Moderatoren. "Schauspielen" wird hier neu definiert: der Künstler auf der Bühne spielt mit dem Publikum, alle spielen mit und das Ganze wird zur Schau. Die Gäste geben Sätze vor, aus einer Boulevard-Zeitung, aus einem Kochbuch, aus der Bibel, und die beiden zaubern daraus einen witzigen Kanon, bei dem die einzelnen Textteile vermischt und neu kombiniert werden. Das ist die klassische Technik der Kreativität, in der Teile, die ursprünglich nicht zusammen gehören, neu verknüpft werden und so einen lustigen Effekt ergeben.

Oder John und Sonja spielen dieselbe Szene, ein Paar auf Hochzeitsreise, mit festen, vom Publikum gewählten Elementen (die verlorene Kreditkarte!) in verschiedenen Genres, die sich die Gäste aussuchen dürfen: einmal in Science-Fiction, dann in Western-Manier. Dass bei soviel Improvisation auch Pannen mit ins Spiel kommen, gehört fast dazu: so fehlten Sonja bei dem eigentlich brillant begonnen Rap plötzlich die Worte und John wurde beim Genre "Bauerntheater" nur noch durch seine schuhplattelnde Partnerin gerettet. Trotzdem hatten die Zuschauer sichtlich Spaß daran und mischten eifrig mit, sowohl mit Anregungen, als auch durch aktive Mitarbeit auf der Bühne, für die es dann jeweils einen Oskar gab.

Als zum Schluss die beiden Künstler nur noch als sprechende Puppen auftraten, ihre Bewegungen aber von zwei dahinter stehenden Zuschauern gesteuert werden mussten, bog sich das Publikum vor Lachen.

Insbesondere, als Puppe John aufgrund seines übermäßigen Biergenusses ein gewisses Bedürfnis anmeldete. Und wir lernen: das Leben ist ein Gesellschaftsspiel, oder ein großer Kindergeburtstag.

mm