Seine Partnerin ist das Piano

Boogie-Woogie und Kabarett: Viel Spaß mit Martin Schmitt

Ebersberg - Der Boogie-Woogie erklingt, er führt seine Partnerin im Rhythmus mit der linken Hand, die rechte unterstützt ihn dabei, sein Körper dreht sich erst auf die eine Seite, dann auf die andere, der Fuß bewegt sich flink im Takt, er scheint seine Partnerin loszulassen, um sich kurz darauf wieder mit ihr im Takt zu finden und den Boogie mit Bravour zu vollenden ... .

Er, das ist Martin Schmitt, Musiker, Entertainer und Sänger aus München, der im alten kino gastierte und das Publikum mit seinem Programm "Blues and More" begeisterte. Seine Partnerin ist das Piano, auf dem er spielt, als gehöre es zu seinem Körper, und das auch schon mal als Bass oder Gitarre fungiert. Vor allem eines wird bei der Vorstellung dieses Künstlers deutlich, der in den letzten Jahren Konzertsäle und Theater der Münchner Szene füllte: musikalisches Können harmoniert hervorragend mit Humor, kann lustig sein, bedeutet Lebensfreude pur.

Ob er nun eine Taste mit dem Finger abschießt, um den richtigen Ton zu treffen, oder zwischendurch kleine, witzige Episoden erzählt: der Spaß an der Kunst ist allgegenwärtig. Nur die Sachsenwitze passen mit ihrer dumpfen Banalität nicht in diese, sonst von Leichtigkeit geprägte Vorstellung. Doch das Publikum verzeiht es ihm gerne angesichts der im übrigen so bravourösen Darbietung.

So sprang der Funke auch schon vom ersten Augenblick über: Bereits beim zweiten Stück bedankten sich die Gäste mit tosendem Applaus und ließen sich im weiteren Verlauf des Abends auch gerne zum Mitmachen überreden: ob sie nun den "Yeah-yeah-yeah-Refrain" mitsangen, mit den Fingern schnippten oder im Rhythmus klatschten, alle waren begeistert dabei. Am Anfang vielleicht noch etwas zögerlich, denn Martin Schmitt verlangte nicht nur einfache Akkorde, sondern schon eine gewisse Musikalität.

Aber er versteht es, seine Zuhörer zu animieren, er flirtet mit ihnen, verführt sie, und bringt sie schließlich im "Blue-Light-Boogie" dazu, sogar musikalischen Eskapaden im Chor nachzusingen. Oder es zumindest zu versuchen.

Die Musik dieses Künstlers kommt zum größten Teil aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, umfasst neben Boogie von langsam bis atemlos schnell, auch Soulstimme und Blues, und war in St. Louis, Harlem, New Orleans oder auch ganz woanders zuhause. Sie ist manchmal kräftig und eindringlich, dann wieder hauchzart, wie ein Schokoladentäfelchen. Und sie wird von Martin Schmitt abgewandelt, variiert, mit anderen Elementen kombiniert: Wie in seinem imaginären Café treffen sich hier Rachmaninov und Duke Ellington in der Komposition und verschmelzen zu neuer Kreativität. Mit der selben Virtuosität und Fertigkeit, mit der seine Finger über die Tasten flitzen, spielt Martin Schmitt mit allem, was in seine Nähe kommt: mit dem Klavier, mit dem Publikum, mit den Kompositionen, ja sogar mit der Geschichte des Lebens: für ihn sollte es mit dem Tod beginnen (dann hätte man nämlich das Schlimmste schon hinter sich!) und mit einem riesigen Orgasmus aufhören.

Evi Thiermann