| Punk, Pink Floyd und Wolle Petry |
| Die Nacht der blauen Wunder bietet Musik für jeden Geschmack |
| VON ANDREAS ZIMNIOK
Ebersberg - Die Autos hatten den Ebersberger Marktplatz am Samstagabend ausnahmsweise nicht für sich allein. Das Angebot der "Nacht der blauen Wunder" mit zwölf Live-Bands zeitgleich in zwölf Lokalen lockte trotz der Kälte viele Landkreisbürger aus ihren Häusern in die Kneipen.
Im alten kino bot sich zu Beginn des Abends das gewohnte Bild. Die Leute saßen und standen entspannt herum, einige unterhielten sich - nur die Musik war lauter als üblich. Mit Recht, denn "Stringtime", die unplugged Rockcovers angekündigt hatten, hielten ihr Versprechen und spielten technisch blitzsauber und mit angenehm dezentem Auftreten Klassiker wie Stings "I`m an englishman in New York" und "Wish you were here" von Pink Floyd. Experimentellere Töne ließen "Little Ville" im gut gefüllten Foyer des Rathauses erklingen, wo sich die Bar vom Büro des Herrn Amtswart Schauberger bis zum Einwohnermeldeamt zog. Davor tummelten sich in noblem Stehempfang-Ambiente nicht nur die Stadträte, die im Rathaus ohnehin fast zuhause sind, sondern auch die ganze Bandbreite derer, die sie gewählt haben. Sitzplätze und sogar "ein Bett im Kornfeld" fanden dagegen Nachtschwärmer im Gasthaus am Tor, wo das Duo "Hotz`n`Plotz" mit Keyboard, Gitarre oder Akkordeon Schlager und Stimmungshits durch die alterwürdigen Gewölbe jagte. Wer sich bei den Klängen eines Wolfgang "Wolle" Petri-Stücks in Richtung Jugendzentrum verabschiedete, erlebte einen Kontrast, der drastischer nicht hätte sein können. Die Musik der "Raw Deals", einer von vier Bands, ist genau am anderen Ende der musikalischen Palette angesiedelt. So animierten die jungen Künstler ihr Punk-Publikum beispielsweise mit einer unvergleichlich härteren Coverversion des Soul-Klassikers "These boots are made for walking" zu wilden Sprüngen. Das mit Latin und Salsa angekündigte Thema des Abends und den Geschmack des Publikums trafen im Che nicht nur "Cana Latina", sondern auch die Barkeeper, die mit schwungvoll gemischten rumlastigen Cocktails wesentlich zur südamerikanisch gelösten Stimmung beitrugen. Echter, erdiger Rock von "The Rakes" schlug Besuchern der Seerose schon auf der Straße entgegen. Unterm Cowboyhut des Sängers erklang eine rauchige Stimme, die mit jaulenden Gitarren und donnerndem Schlagzeugsound um Lautstärke buhlte. "Ein Stimmungsmacher, ein Schnapsausgeber, ein ganz ein schwerer Song." So kündigte das Quartett eines seiner Lieder an. Dann wurde es für Rakes-Verhältnisse aber doch eher süß, und "Sweet Home Alabama" mischte sich in die bunte Geräuschkulisse der nachts sonst so ruhigen kleinsten Kreisstadt Deutschlands. mm |