Beim Dosensong flippt der Pianist völlig aus

 

Arthur Senkrecht zieht tolle Show ab

 

Von Evi Thiermann

 

Ebersberg- "Jetzt ist folgende Situation..." Arnd Schimkat alias Arthur Senkrecht blickt verlegen ins Publikum, windet die Hände, tritt auf der Stelle. Diese Szene sehen die Zuschauer noch oft in dem neuen Programm des schlaksigen Slapstick-Komödianten und auch der Satz, über den die Gäste aber auch - oder gerade beim zehnten Mal noch lachen können, war schon in seinem letzten Programm die Titelparole.

Jetzt heißt das Programm "Showbizz" oder "alles nach Plan" und vieles hat sich geändert. Vieles aber auch nicht: der Meister des Missgeschicks Arthur Senkrecht ist immer noch zu groß, blond und unglaublich linkisch; die Bühne des alten kino sieht nach zehn Minuten schon wieder aus wie ein Kinderzimmer, in dem der Begriff "Ordnungsliebe" zu den Fremdwörtern zählt, und sein Begleiter ist immer noch ein Pianist, meist schweigsam und unglaublich geübt.

Und doch ist einiges anders: sein jetziger Partner, Klavierbegleiter und Gegenstück des eigenen Egos ist Bastian Pusch. Und er ist überragend gut. Der Mann ist nicht nur ein Meister am Flügel, nein, er kann auch singen und ist der ideale Gegenpol zu Groß-Arthur: klein, gedrungen, überlegen, musikalisch ebenso gut wie stimmlich, und dazu noch mit einer ordentlichen Portion schauspielerischem und komödiantischen Talent ausgestattet.

Bisweilen scheint die Pianistenrolle noch untergeordnet zu sein, der herausragenden Persönlichkeiten des ungeschickten Chaoten, der die Bühne füllt, der sich nur am Kopf zu kratzen braucht, damit der entsprechende Tusch fällig wird, der die Leute willkommen heißt zum "Arthur-Senkrecht-Liederabend", der seinen Margeriten-Strauch ebenso besingt wie den Schimmelfleck an der Wand und den Vater, den er nie kennen gelernt hat.

Zu absoluter Hochform laufen Arthur und Herr Pusch auf, wenn sie gemeinsam ihre Gegensätzlichkeiten aus- und hochspielen: da entwickelt sich das Handgemenge um Konservendosen, das der eine dem anderen auf den Flügel stellt, blitzschnell zu einem rasanten Rhythmus und anschließend zum Dosensong "De la Conserva", bei dem der Pianist völlig ausflippt.

Am Ende des Abends schmerzen die Lachmuskeln der Zuschauer, Arthur nennt seinen Pianisten fast liebevoll beim Vornamen und der fängt an, seinen Putzfimmel abzulegen und nun selbst auf dem Klavier herumzuschmieren. Aus dem Soloprogramm mit Klavierbegleitung und dem ungleichen Paar ist ein Kabarettduo entstanden, auf dessen Weiterentwicklung man gespannt sein darf.