Innerhalb des Mittleren Ring
Andreas Giebel nimmt Alltag aufs Korn
Ebersberg - Andreas Giebels Vorstellung im alten kino nimmt die Eigenheiten unserer "in"-Gesellschaft aufs Korn. Keine großen philosophischen Gedankenreigen, auch keine besonders akzentuierte politische Satire, nein: Andreas Giebels Kabarett entsteht aus alltäglichen Beobachtungen, die sich zudem noch gerne innerhalb des mittleren Rings abspielen.
In seinem neuen Programm "...der Sonne entgegen" zeichnete er in einer "Einspielvorstellung", also einer Vorpremiere, in seiner typischen Art, einige charakteristische Figuren auf die Bühne: da war zunächst Elmar, sein ehemaliger WG-Genosse, der sich in seinem Gesundheitswahn alles Angenehme aus Leben, Geist und Körper wegtrainiert hatte und der schließlich als überzeugter Radlfahrer auf genau der Trambahnschiene verunglückte, die er selbst durch einen Bürgerentscheid gegen eine neue Buslinie am Leben erhalten hatte.
Einen kleinen Querschnitt durch das Gesellschaftsleben bieten die vorgestellten Paare, die Giebel zusammen mit seiner Freundin Isabella zum Abendessen einladen wollte. Etwas eigenwilliger wird Giebels Kabinett der Persönlichkeiten bei der Beschreibung der Stehtisch-Brüder vom Viktualienmarkt: Puschkin, der Intellektuelle Homer-Zitierer, der am Ende sein Glück im Seniorenreisebus neben Elfriede-Penelope findet, Plazebo, der so heißt, weil er öfter seine Reden mit "i woaß ned, ob i mir des ned bloß aibuit, aber.." beginnt, ansonsten aber eher einfach gestrickt und von Fernsehserien begeistert ist, und schließlich Achter, der es mit seiner multiplen Persönlichkeit erst auf drei, dann auf sechs und am Ende tatsächlich auf acht Exemplare gebracht hat.
Ganz besonders gelungen war der Vortrag über den Zustand der ICE-Toiletten und die Hinweisschilder, diese Örtlichkeit so zu verlassen, wie man sie gerne vorfinden würde. "Ich kann Ihnen sagen" und mit dieser Schilderung beschloss Andreas Giebel sein abendfüllendes Programm: "das war eine Arbeit!"
Evi Thiermann