Ebersberger Süddeutsche Zeitung, Montag 2. Juni 2003

„Pause & Alich“ begeistern im „alten kino“ mit ihrem Programm „Kopf hinhalten“

Die sonderbare Welt von Fritz und Hermann

Das urkomische Duo destilliert aus dumpfen Ressentiments und hanebüchenen Utopien kluge Pointen

Ebersberg - Seit dem 11.11. ist nichts mehr wie es war. Behauptet Hermann Schwaderlappen. Vielleicht meint er den 11. September. Aber vielleicht auch nicht. Karneval und Terrorismus rücken beim Altherrenduo „Pause & Alich“alias Hermann Schwaderlappen und Fritz Litzmann sehr nahe zusammen, nicht nur zeitlich. „Der Terrorism“ nudelt Fritz Litzmann am Samstagabend anglophon im „alten kino“, „der Terrorism“ bedroht dich, wenn du in den Burger beißt, eine Cola schlürfst oder die Kennedy-Brücke in Bonn betrittst. Und dabei lacht er sein keckerndes maschinengewehrähnliches Fritz-Litzmann-Lachen.

„Kopf hinhalten“ lautet der agitatorische Titel ihres rasanten rheinischen Redeprogramms, das alles auf den Kopf stellt und damit vieles wieder auf die Beine. „Der Schröder bräuchte einen neuen Krieg, bei dem er dann nicht mitmachen kann“, ist eine von Litzmanns überraschenden Èrkenntnissen aus den vergangenen Monaten. Demnach sind ja die Kriegsgegner die übelsten Bellizisten. Sie brauchen den Krieg, um sich mit ihrer Ablehnung zu profilieren und Wahlen damit zu gewinnen. Apropos Kopf hinhalten. Das haben ja die Amerikaner für uns getan. „Die Amis sind unsere Dummys“, reimt Litzmann in schlichter Karnevalslyrik, aber mit doppelbödigem Sinn.

Natürlich ist das eine zeitgeschichtlich etwas zweifelhafte Version, was „Pause & Alich“ dem zahlenmäßig leider nur spärlich erschienenen Publikum auftischen. Aber der Irak-Krieg ist sowieso ein großes Rätsel. „Es ist der erste Krieg, von dem keiner weiß, warum er geführt wurde.“ Scheinbar nicht einmal die Amerikaner. Noch verwirrender ist die Angelegenheit geworden, seitdem Militärhistoriker den Krieg zu einer „Auseinandersetzung“ verniedlichen. Unter tausend Toten sei es nämlich kein Krieg.

„Pause & Alich“ springen auf diesen Zug der zynischen Numerik auf und spinnen sich wirre Fälle von Krieg und Nichtkrieg zusammen. Nichtkrieg etwa ist, wenn man von den eigenen Leuten hinterrücks erschossen wird. Straßenverkehr ist dagegen Krieg. „Tschüss, Schatz, ich muss wieder in die Schlacht!“ Hinter dem dichten Pointenhagel ist nicht sofort ersichtlich, dass ihre Gags aus Stammtischparolen destilliert sind.

Hohle Allgemeinplätze sind das bevorzugte Material, aus dem die beiden ihre witzig bis bescheuerten Dialoge drechseln - und die am Ende in einer wohl tuenden Pointe verpuffen. Nicht nur die einfältigen Weisheiten des bürgerlichen Wirtshaussumpfs verwursten sie, auch linke Öko-Utopien. So will Hermann Schwaderlappen die Sahara mit Sonnenkollektoren ausstatten, damit darunter Urwald heranwächst. „Jetzt bist du vollkommen übergeschnappt!“ echauffiert sich Fritz. „Das wird höchstens ein Mini-Urwald. Mit Elefantenkäfern.“ Oder Schlimmerem.


GREGOR SCHIEGL