Ebersberger Zeitung, 2. Juni 2003
| Ein König, das wär doch was |
| Zwischen Slapstick und ernsthaftem Kabarett: Pause und Alich |
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VON EVI THIERMANN Ebersberg - Warum sind die deutschen Biathleten besser als die Bundeswehr? Zum Einen, weil man Prioritäten setzen muss und eben nicht alles haben kann. Und wenn nun einmal alle Guten zu den Biathleten kommen, bleibt für die Bundeswehr nicht mehr viel übrig. Zum Anderen, weil die Biathleten das Schießen im Osten schon als kleine Kinder gelernt hatten. Mit solchen Fragen zum aktuellen Zeitgeschehen beschäftigen sich Rainer Pause und Norbert Alich als Fritz und Hermann auf der Bühne in ihrem Programm "Kopf hinhalten", das sie im alten kino zum Besten gaben.
Und wie löst man das Problem der schrumpfenden Beitragszahler? Man lädt alle Frauen in gebärfähigem Alter ein zu einem Vergnügungstanz. Ihre Lösungsansätze sind lustig bis skurril, unsinnig und witzig. Bei ihren Erörterungen kommen sie nicht nur vom Hundertsten ins Tausendste, sondern taumeln auch vom Ernsthaften zum Nonsens, überschütten Bühne und Zuschauerraum mit sich immer weiter verlaufenden Dialogen, Wiederholungen, Neuansätzen, gegenseitigen Unterbrechungen und... und... und. Dabei ging leider in der ersten Halbzeit ein klares Profil der Darbietung unter: Für ein ernsthaftes Politkabarett sind die beiden zu albern, für reinen Slapstick sind viele Themen zu ernst und zur Comedy sind sie auch nur bedingt tauglich, denn dafür sind sie, zumindest meistens, doch zu gut. Nach der Pause jedoch gelang es dem rheinländischen Duo, seine feinsinnige Kritik mit dem Instrument des hinterlistigen Humors zu untermauern. Genervt von der Demokratie und ihren lästigsten Auswüchsen wie endlose Diskussionsrunden bei Sabine Christiansen jeden Sonntag machen den Wunsch nach einer Persönlichkeit laut, die von oben die Interessen der Bürger vertritt: ein guter König! In naiver Kompliziertheit stellt sich Fritz dieser Aufgabe und klettert umständlich auf den selbst gebauten Thron: ein Stuhl auf einem wackeligen Tisch. Oder sollte man nicht doch besser wählen? Zweifel kommen auf, werden aber sofort wieder verworfen. Demokratische Wahlen bringen schließlich auch keine befriedigende Ergebnisse, würden doch auch Leute wie Roland Koch und Rudolf Scharping gewählt. Doch auch die blaublütige Abstammung eines Ernst August ist noch keine Ideallösung: dann bräuchte man nämlich Pixie-Klos an allen Ecken und Enden des Königreichs. Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch das Programm zog, war der Krieg. Und hier zeigten Pause und Alich ihre tatsächlichen Stärken. Erst ab 1000 Toten sei ein Krieg tatsächlich ein Krieg, aber: Unfalltote verfälschten die Statistiken, sie dürften nicht dazugezählt werden. Andernfalls würden Tag für Tag auf unseren Straßen blutige Kriege stattfinden. Und weil Pause und Alich ihre Vorstellung mit einigen Liedern ausschmückten, gab es auch eines zu diesem Thema: eine Hommage an den Amerikaner, der für uns den Kopf hinhält, glänzend parodiert von einem brillanten Rainer Pause. Auch die beste Pointe kam in diesem Zusammenhang: der Irakkrieg geht zu Ende, ohne dass man seinen Grund je gefunden hat.Evi Thiermann mm |
| Datum: 02.06.2003 |