Ebersberger Zeitung, 26. Mai 2003
| Kein Konjunktiv bleibt unversucht |
| Das Duo Faltsch Wagoni jongliert mit der deutschen
Sprache
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| VON EVI THIERMANN Ebersberg
Sie steht an der "Stazione", er versteht nur Bahnhof, sie wechselt die Fahrtrichtung ("direzione"), schläft ein in "faltsch Wagoni" und schon steht das Schicksal parat: Silvana Prosperi und Thomas Busse treffen sich, eine Begegnung, in der sofort die Funken sprühen, rein linguistisch versteht sich. Der Name des ungewöhnlichen Kabarett-Duos ist damit endlich erklärt.
Er bemüht sich, sich mit sämtlichen, dem deutschen Durchschnittsmann zur Verfügung stehenden Italienischbrocken zu verständigen, kommt aber nicht sehr viel weiter als "quattro stazioni" und "amore". Sie hat Probleme mit den beiden Pünktchen der "Wurstel con Krauti" und macht ihrem Unmut mit mediterraner Ursprünglichkeit Luft. Und so entsteht einer der spritzigsten Dialoge über Annäherung, internationaler Kommunikation und sprachlicher Spitzfindigkeiten. Schon sitzen die beiden im selben Abteil mit der Fahrkarte nach Ratterdam (!) und liefern mit ihrem A-cappella-Gesang auch gleich die passende musikalische Geräuschkulisse des fahrenden Zuges. Das ist eine der Stärken dieses sympathischen Duos mit unaufdringlicher Komik, das am Samstag im alten kino ihr Programm "Deutsch ist dada" zum Besten gaben: Frau Prosperi singt, steppt und sorgt mit südländischem Temperament für den notwendigen Rhythmus, Thomas Busse dichtet und komponiert feinsinnige Wortspielereien, die aus den Mäandern der deutschen Sprache sprießen wie Gebirgsbächlein. Hier bleibt kein Reim allein, kein Konjunktiv unversucht. Was das Deutsche auch in sich hat, Prosperi-Busse kitzeln es heraus und bringen es auf die Bühne: da kämpft der in Körper- und Satzbau starke Goliath gegen den Dativ und Verona Feldbusch-Fans kommen ganz auf ihre Kosten. Das Interrogativpronomen wird als Stilmittel verherrlicht, um der langen Leitung Ausdruck zu verleihen, und ohne korrekte Syntax ginge auf der Welt alles drunter und drüber. Alle Bürokratie ist dada Denn: Dada ist das Ende der Grammatik, und die Orthographie ist die Bürokratie des Wortes. Aber Vorsicht: denn Bürokratie wiederum ist dada für alle. So fehlt es also auch nicht an witzigen Seitenhieben auf das aktuelle Zeitgeschehen. Was passiert mit unserer Sprache im E-Mail- und Handyzeitalter? Silvana Prosperi singt es uns eindrucksvoll vor: die Liebeserklärung wird zu "ich l-punkt-d-punkt" und das Mouse-Clickediclick-Clickediclack wiederholt sich in einem beherrschenden Refrain, abgelöst alleine durch ein stereotypes http-www-web, wenn der Sohn im Internet anstatt im Kinderbett weilt. Gestik und Mimik der beiden Künstler tun das Übrige, um einen spritzig-witzigen Abend zu gestalten. Wenn sie ihre Stimmen tauschen und ihren Gesichtsausdruck dem Dialogabschnitt des jeweils anderen anpassen, bleibt kein Lachmuskel unbewegt. Kein Wunder, dass sich die Gäste gleich drei Zugaben erklatschten, obwohl der Zuschauerraum aufgrund der sommerlichen Grilltemperaturen nicht bis auf den letzten Platz gefüllt war. mm |