Ebersberger Zeitung, 5. Mai 2003

Lizzy Aumeier bringt vollen Körpereinsatz
Queres Gedankengut im alten kino

 

Ebersberg - Funk, Oper, Klassik, Rock. Passt das zusammen? In Lizzy Aumeiers Programm "Auf Bass`d" ganz gewiss. Die Musik in ihrer Geschichte ist nämlich voller Missverständnisse. Am Kontrabass, begleitet von der Pianistin Tatjana Shapiro aus der Ukraine, macht ihr abstruses, philosophisches, und gleichzeitig queres Gedankengut einfach Spaß. Fragen wie: Was unterscheidet Walküre von Pediküre, beziehungsweise liegen die Wurzeln des Hardrocks bei Händel verpackt? Die Powerfrau mit ihrer voluminösen Bühnenpräsenz ist derart komisch, dass sie einfach nur gut ist.

Eine seltene Form des Klassikkabaretts wurde von Aumeier und Shapiro am Freitag im alten Kino geboten, das sich zwischen Saukomik und niveauvoller Flegelei entlang hangelt. Die Insiderin genießt dabei ihren vollen Körpereinsatz. Ein Teil Musikepos präsentierte sie in einem "nur" drei-Minuten-Kurs. Oder wer inspirierte Mozart? - Tatsächlich seine Schwiegermutter? Wer hat denn da von wem geklaut? Und wenn ja, warum nicht.

Die 1000-jährige Musikgeschichte mit Drogenbeispielen brachte Aumeier bestens unter einen Hut. Nein, besser ausgedrückt, unter ihr schwarzes, schlank machendes, sehr offenherziges Kleid mit langem Schlitz, das viel Bein zeigte. Die "Sexgöttin" aus Neumarkt in der Oberpfalz fragt sich dabei, wie sie selbst zu so einem Körper gekommen ist. "Natürlich nur mit Disziplin". Die Zuhörer schütteln sich vor Lachen. "Mein Körper ist mein Kapital. Ich bin eben eine echte Frau," und greift wieder in ihr 100-jähriges Instrument, das sehr "alt und männlich ist."

Dann bringen die Künstlerinnen Luciano Pavarotti ins Spiel, von dem sie menschlich sehr enttäuscht sind. "Haut der einfach nach 35 Jahren seine Frau weg..." Dabei fingerlt Aumeier einen Kaugummi aus dem Papier und steckt ihn ihren knallrot geschminkten Mund. Laut kauend und heulend wechselt sie wie ein Chamäleon musikalisch die Farbe und spielt gekonnten Jazz. Die Kombination "Depp Purple" mit Bach sei indes gar nicht so schräg, meint sie. "Da fängst an und lässt dich transpirieren." Auch Jürgen Möllemann, Angelika Merkel und viele andere werden aufs Korn genommen. Und etwas später: "Es gibt wenig, was mich hemmt, aber wenn ein Mann so dünn ist, hab` ich immer Angst, wenn ich leidenschaftlich werd`." Allerdings gibt sie zu, dass es in ihrem Repertoire auch Melodien gibt, die die Birne weich machen: Die Volksmusik.

Zum Schluss wird sie mit "Touch me Tiger" ganz erotisch - mit meisterhaft akrobatischen Verrenkungen auf dem Stuhl. Das Duo honorierte den icht mehr aufhörenden, donnernden Applaus mit drei Zugaben, die es in sich haben.                   veh