Zimmerschieds Programm "Diddihasi"
im "alten kino"
Ein Kampfhund bei der Pudelshow
Der niederbayerische Kabarettist wehrt
sich gegen die verbale Selbstzähmung, die Kritiker von ihm fordern
Ebersberg - Ein Bullterrier
springt durch keinen Reifen", sagt Sigi Zimmerschied. Und damit meint
er sich. Zimmerschied ist ein wilder Hund, der derbe Worte spuckt in einer
Arena spastischer Unterhaltungspudel und kritikasternder
"Springer-Gesellen". Sein Programm "Diddihasi", das er
am Freitag Abend im gesteckt vollen "alten kino" zeigt, ist ein
demonstratives, ein trotziges Scheitern in Sachen Selbstdressur.
Die Welt der "Diddihasis" und
der "Luttigaggis" erzeugen in Zimmerschied Würgereflexe, deren
er nur durch verbale Amokläufe Herr wird. "Diddihasi" ist für
den unzähmbaren Niederbayern der Inbegriff der Verniedlichung -
intellektuell, sprachlich und charakterlich. Gut, Zimmerschied bemüht
sich phasenweise redlich darum das zu umgehen, was ein Kritiker bei
Zimmerschied naserümpfend als "anale Abundanzen" bezeichnet
hat. Aber dann bricht es aus Zimmerschied doch wieder unkontrolliert
heraus wie bei einem Tourette-Kranken. Im nächsten Moment dann das
gespielte Entsetzen: "Habe ich Arschloch gesagt?" Klar hat er.
Und bei allem Getue, er könne nicht anders: Zimmerschied meint, was er
sagt, und anders als er es sagt, kann er es nicht sagen, und will es auch
nicht.
Diddihasi" ist ein Rundumschlag in
der Kulturszene. Er ist nicht sehr differenziert, oft unfair und schreckt
auch nicht vor dem persönlichen Angriff zurück - wie etwa gegen den
Publizisten Michael Skasa. Mit grobem Witz weidet sich Zimmerschied an den
fein gedrechselten Phrasen seiner Kritiker, verhöhnt die angemahnten
leisen Töne als deren verhaltene "Angstfürze". Auch gegen die
Kollegen der eigenen Zunft schießt er mit großem Kaliber: gegen den
inszenierten Intellektualismus (mutmaßlich Dieter Hildebrandt) genauso
wie gegen das kalauernde Herumgehampele von hippen Comedyspastikern (höchstwahrscheinlich
Michael Mittermeier). Was die Bush-Regierung betrifft, ist er sehr
wortkarg: "Über Behinderte macht man keine Witze".
"Diddihasi" ist eine nicht sehr
nette, aber sehr intelligente Abrechnung mit Zimmerschieds Kritikern. Im
zweiten Teil seines Programms lässt er der Reihe nach die Scheinwerfer
ausschalten und das wenige Mobiliar von kooperativen (vulgo
"opportunistischen") Zuschauern von der Bühne entfernen. Am
Ende ist das einzige Licht auf der Bühne das einer Taschenlampe, die er
sich in die Nase gesteckt hat und"Atmen" sein einzige Laut. Ganz
am Ende das schneidende "Pfft" einer Motte, die im
Scheinwerferlicht verbrennt. So klein wird sich der "kleine kompakte
Kampfzwerg" Zimmerschied nie machen lassen. Das ist so sicher wie das
nächste "Arschloch!" GREGOR SCHIEGL
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