| Ebersberger
SZ vom 9. April 2003 |
Großartiges Musikkabarett im "alten kino" Anarchistische Schärfe bayerischen Humors "Monaco Bagage" begeistern das Publikum in Ebersberg mit einer stilsicheren Vielseitigkeit Ebersberg - "Monaco Bagage", das sind vier vielseitige Musiker und eine ebenso talentierte "Quotenfrau", die an diesem Abend im "alten kino" von Ebersberg auftreten. Miene Costa spielt nämlich nicht nur den Kontrabass, sie singt und steppt auch vortrefflich komödiantisch. Johann Bengen, der "Mann zu der Frau", ist ein enthusiastischer Percussionist und Akkordeonist. Josef Brustmann an der Zither und der Tuba prägt den bayerischen Auftritt der Band. Andy Arnold ist nicht nur unverkennbar klezmatisch an der Klarinette, sondern übernimmt auch das Bariton-Saxophon. Martin Deubel ist ein Könner an der Violine und an der Trichtergeige. Zusammengefunden haben sie sich, nachdem sich die "Giesinger Sautreiber" und der "'Bairisch Diatonische Jodel-Wahnsinn" aufgelöst hatten und sie zusammen etwas neues machen wollten. Daher treten sie seit November als "MonacoBagage" gemeinsam auf. Ihr Programm ist eigentlich, dass sie keines haben. "Wir machen auf der Bühne, was wir wollen." So drückt es Miene Costa aus. Darum geht es immer amüsant und abwechslungsreich zu. Ungewöhnlich sind sie und originell. In keine Schublade wollen sie passen. Ihre Texte sind eine Mischung von allen fünf und die Musik ist eine Mixtur aus den verschiedensten Stilen. Zum Auftakt ein Walzer, danach ein Streifzug durch bayerisch, jüdisch, afrikanische Folklore, Blues, Jazz, Tango und Rock n' Roll. An den Instrumenten herrscht ein ständiger Wechsel und es sind viele kleine Ideen und Gags die das Programm lebendig gestalten. Alles zusammen klingt gut, ist mitreißend gespielt und von witzig bis derb vorgetragen. Politisch sind sie nicht. Wollen es auch gar nicht sein. Nur manchmal klingt etwas Tagespolitik an. Ein leises Ernst Jandl-Stück heißt "Vater erzähl' mir vom Krieg" und endet mit den Worten: "Erzähl mir, wie's d g`fallen bist." Danach ist es ganz still im Saal, bis nachdenklicher Applaus einsetzt. Ihre pointenreichen Texte drehen sich eher um alltägliche Dinge, die jeder kennt, wie zum Beispiel das schlechte Fernsehprogramm. Oder es sind bayrische Geschichten, wie die von einem Bauern, der ein Familienalbum mit 200 Kuhbildern gefüllt hat, deren Namen und Charakter er auch nach 20 Jahren noch genau zu unterscheiden weiß. Das Ebersberger Publikum ist insgesamt sehr begeistert und erklatscht sich drei Zugaben. Der Abend im "alten kino" endet mit dem gleichen Walzer, mit dem er begonnen hat, – nur wird er diesmal rückwärts gespielt, also von laut nach leise. NICOLE SCHUMANN |