Zum Lachen nicht in den Keller
"Wa(h)lkrampf" im alten
kino
VON EVI THIERMANN
Ebersberg
Ein frischer Wind wehte Samstagabend im alten
kino, denn die "Neuen" stellten sich vor: eine Gruppe Grafinger
Gymnasiasten mit Lust auf Satire und Ironie, auf Bühne und Spaß, präsentierten
dem Publikum ihr Stück "Wa(h)lkrampf". "Ridere in publico"
nennt sich diese neue Formation von acht jungen Leuten, was bedeutet, dass man
zum Lachen nicht in den Keller geht.
Dabei haben es die RIPs keineswegs nur aufs Lachen abgesehen. Nein, was an
dieser jungen Gruppe wirklich erstaunt, ist, dass sie trotz ihrer wenigen Bühnenerfahrung,
trotz mancher Hemmschwellen und Stolpersteine, nicht allein darauf abzielen,
publikumswirksame Comedyeffekte zu erzielen. Hier sind noch junge Idealisten am
Werk, die ihre Meinung zu den Themen der Welt sagen möchten. Und wenn auch das
alte kino gefüllt war mit Gymnasiallehrern und Eltern, die sich allesamt
mitmachfreudig und applaudierfleißig erwiesen, so kann man doch mit gutem
Gewissen sagen: diese acht haben sich ihren Applaus verdient.
In mehreren Szenen hielten sie der Welt von heute den Spiegel vor: den
Deutschen, den Politikern, den Rechtsaußen und den Grünen, den Roten und den
Gelben, aber auch den Schwarzen mit dem braunen Kern. Ausländer und Asylanten,
Muslime und Moscheen, Afghanistan und kein Friede im gelobten Land waren immer
wiederkehrende Worte in ihren Vorträgen. Dabei fielen vor allem die
Schnelltextpassagen zwischen den einzelnen Sketchen auf, die zum Teil viel
Wortwitz und Hintergründigkeit in den Raum schossen. Und in den einzelnen
kurzen Geschichten durften die Zuschauer einen Blick auf unsere Gesellschaft
werfen. Da war die Schulklasse im Jahr 2147, alle Schüler in gleicher
uniformierter Kleidung und mit rosa Plastikbrille auf den Augen. Edmund Stoiber
war nun schon seit 144 Jahren deutscher Bundeskanzler, das Vierte Reich hatte längst
begonnen und man blickte zurück auf die antiquierten Unwissenden des fernen
2002. Der Lehrermonolog war zwar viel zu lang, aber es ist beachtlich, wie sich
Jugendliche mit Themen der Moral und Philosophie auseinandersetzen, um uns zum
Schluss zu sagen, dass man nicht nur auf seine Rechte pochen kann, wenn man
seine Pflichten längst vergessen hat.
Ein kleines Schmankerl war auch die Szene im Himmel, in dem sich zu Hallelujaklängen
drei reizende blonde Engelchen darüber den Kopf zerbrachen, wie sie denn nur
den ganzen Ansturm auf die himmlischen Gefilde abbremsen sollten: die Hölle
hatte nämlich geschlossen, sie würde bald Insolvenz-Antrag stellen. Und dann kämen
alle Bösen in den Himmel.
Zwischendurch gab es auch ein paar gesangliche Einlagen: Anna Hirsch am Klavier
und Dominik Frank als Sänger bekamen für ihre Yesterday-Adaption zum Thema
"Kanzlerkandidat der Union: Merkel oder Stoiber" stürmischen Applaus.
Ebenso ersangen sich die Mädchen der Gruppe mit ihrem Lied der zehn kleinen
Asylanten viel Beifall.
Der Höhepunkt kam - wie so oft bei derartigen Events - ganz zum Schluss: In der
Talkrunde Christiane Sabinsen bekam jeder der jungen Nachwuchskünstler seine
Paraderolle, allen voran Dominik Frank als Gerhard Schröder und Dominik Hintze
(genannt Nic) als richtig cooler Guido Westerwelle. Und war da beim ersten nicht
so eine leichte Ähnlichkeit mit Alexander Liegl und beim zweiten nicht ein
Anflug von den schauspielerischen Talenten des Martin Pölcher. . .