Pointen im Zappelfieber

Alf Poier agiert als kabarettistischer Unruheherd

Ebersberg - Seine Lehrer hat er wahrscheinlich zur Verzweiflung gebracht und seine Eltern, drunten in der Steiermark, werden sich gesagt haben: Aus so einem Zappelphillipp wird nie was gscheit's! Wenn es vor 25 Jahren schon psychologische Gutachten für besonders auffällige Kinder gegeben hätte, dann hätten die Verhaltenstherapeuten ihn bestimmt als hyperkinetisch eingestuft. Aber zuletzt hat Alf Poier doch etwas gefunden, wo er nach Herzenslust zappeln (österrreichisch: „zippeln") kann; sein künstlerisches Talent ausleben und wo ihm auch noch alle begeistert dabei zuschauen. Am Freitag zog der konvertierte Wiener sein neues Programm „Mitsubischi" im „alten kino“ in Ebersberg ab und brachte das Kunststück fertig, sich dabei keine Sekunde lang still zu halten.

Ein Feuerwerk an Absurditäten fackelte er zweieinhalb Stunden lang ab, veranschaulicht mittels hundert kleiner selbst gebastelter Realitäten und eigenhändig gemalter Parallelwelten nebst mehrerer Verkehrsschilder sowie unendlich vieler weiterer Requisiten, die er in riesigen Aluminiumkoffern über die Bühne verteilt hatte und die notfalls als Drums für die Untermalung herhalten mussten.

Respektvollen Kontakt pflegt der Kabarettist mit Philosophen aller Art. Einfache Fragen zu komplizierten Sachverhalten sind nämlich Poiers Spezialität. Im Unterschied zu Sokrates, Konfuzius und Kant gibt der 35- Jährige allerdings auch einfache Antworten, indem er alles wörtlich nimmt, jeden Buchstaben erst einmal umdreht, von hinten betrachtet, zuletzt einfach fallen lässt und den nächsten Gag aus seinem Requisitenkoffer zieht.

Dem Sinn des Lebens nähert er sich ebenso aufwendig wie schon vor 20 Jahren die unsterbliche Comedy-Truppe von Monty Python, um zuletzt eine eher simple Antwort zu finden und ganz nebenbei auch noch sämtliche Illusionen, die dem Publikum nach zwei Stunden Alf Poier geblieben sind, heimtückisch zu zerstören: Der eine oder andere Besucher war wohl durchaus bereit, all seine Träume, Wünsche und Ziele auf den kleinen Plastilin-Buddha auf der Bühne zu werfen - die einzige Gelegenheit übrigens, bei der es länger als zwei Sekunden halbwegs still war im Saal. Aber Alf Poier wäre nicht Alf Poier, wenn er die aufkeimende Ernsthaftigkeit mitsamt der Plastilinfigur nicht auf der Stelle mit einem Gummihammer platt gemacht hätte.

So richtig ernst kann man Alf Poier ja nun nicht nehmen - aber man kann seine Fantasie bewundern, seinen Humor, sein künstlerisches Talent und die Begabung, alles und jedes auf praktisch nichts zu reduzieren. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens allerdings ist der Kabarettist keine große Hilfe.

KONSTANZE KILGER