Ebersberger Zeitung, 5. November 2001
Kabarett auf doppeltem Boden
Bärbel Schmid fasziniert, provoziert
und erheitert
Ebersberg (veh) - "Du bist die Welt für
mich..." Mit unglaublich voluminöser Stimme, die das Ebersberger alte kino
erzittern lässt, erscheint Bärbel Schmid durch den Hintereingang und wirft büschelweise
Blumen ins Publikum. Dabei tänzelt sie durch den Raum, wirft sich in Pose und
geht auf die Bühne. Die eher banal und unscheinbar wirkende Kabarettistin
interpretiert Operettenlieder in ihrem kurzen, betupften Schürzenkleidchen. Die
schwarzen Strümpfe mit Schlappen tun ein übriges.
Dann sie singt weiter im Duett mit ihrem Partner Richard Tauber. Sie plaudert über
Geschichtchen von den drei Tanten Rottraud, Elvira und Lotti. "Alle beschäftigten
sich gerne mit ihren Verwandten. Auch die Vermieter der Tanten waren sehr
ordentlich..." Skurrile Anekdoten kommen da zuhauf: "Es gibt Leute mit
denen telefoniere ich einmal und dann mag' ich sie drei Jahre nimmer!" Mit
Wolfgang Mayer am Piano singt sie wieder kraftvoll, ohne Verstärker, dass es
einen in wahres Staunen versetzt: "Es gibt nichts besseres als meine
Couch."
Sie wendet sich zum Publikum und meint: "Was wissen Sie schon von mir? Was
Sie sich denken, kann genauso gut falsch sein. Hörn's doch auf damit. Sie können
eh ned überprüfen, was wahr und was falsch ist. Aber eins ist sicher. Ich weiß
von Ihnen noch viel weniger, als Sie von mir. Sie können lachen, bös schauen,
abhusten... viel mehr ist nicht vorgesehen." Die Quittung der Besucher:
Husten.
Als "Tante Elvira" sitzt Schmid auf der Bank, putzt sich die Nägel
und erzählt Friedhofsgeschichten. "Am schönsten sind Todesfälle, aus
denen Erbengemeinschaften hervorgehen. Was man so alles vererbt
bekommt...", meint sie komisch. Da sei das alte Haus mit der 1,90 Meter
hohen Thujenhecke und sagt lakonisch: "Erben will gelernt sein." Ein
attraktiver Anwalt ist dabei vonnöten, denn: "Sie werden viiiele Jahre
damit verschweißt und haben intensivsten Kontakt mit der Verwandtschaft."
Mit leichten Ballettschritten tänzelt sie wieder singend zum Publikum herunter
und säuselt: "Wir haben uns alle so lieb." Mit ihren teils ernsten,
aber auch subtil vorgetragenen Sach- und Lachgeschichten war zeitweise viel
Aktuelles, aber auch Ernstes wie Komisches zu erkennen. Die Doppelbödigkeit
Schmids ließ die dargestellten, gegensätzlichen Figuren in ihrem Programm
"Nix wie hin" im besonderen Licht erscheinen - ausgestattet mit
satirischer Lupe und kabarettistischer Schippe. Ein Abend auf den Brettern, die
die Welt erheiterten.