Jagd von Pointe zu Pointe

Die Vier von „Star Fours“ haben vor nichts Respekt

Ebersberg - Wer die krachlederne Boygroup „Star Fours“ am Samstag im „alten kino“ erlebt hat, der weiß jetzt endlich, wo die Wurzeln des Schuhplattlers liegen: Dieser bajuwarische Veitstanz ist nichts anderes als der hilflose Versuch, einer Mückenplage Herr zu werden. Auch wenn vermutlich nicht alle Besucher den hagelbuchenen Text in Möckenloherischer Mundart („Mickalouharisch“) inhaltlich komplett verstanden haben dürften, reichte die tänzerische Einlage des Werkes „Staunzn dabaunzn“ völlig, um die Entstehungsgeschichte des Schuhplattlers schlüssig zu dokumentieren.

Aber die „Star Fours“ aus der Ingolstädter Gegend haben nicht nur in Sprache und Körpersprache ein Feuerwerk an Gags gezündet, sondern auch musikalisch. Zwischen 24 verschiedenen Instrumenten wechselten sie souverän hin und her und ließen die Besucher praktisch am gesamten Instrumentensatz eines Blasorchesters teilhaben, von der ebenso liebevoll wie respektlos weiß- blau bemalten Tuba über Keyboard und E-Gitarre bis hin zum Nasenpfeiferl.

Respekt haben die vier Multitalente vor gar nichts. „Also sprach Zarathustra“ war die „Ofentüre“ zum Einzug, „Peter Gunn“ ein Element des von Blut, Vollgas und Action triefenden ersten Teils und im Liebesliederreigen des musikalischen „Potpürees“ am Schluss gab es noch eine Ode an den deutschen Kampfschoßhund. Wer genau hinhörte, entdeckte Witze, Persiflagen und Sarkasmus im Sekundentakt. Manchmal jagten die „Star Fours“ ihr Publikum aber allzu gnadenlos von Pointe zu Pointe. Die Oper „Sauf-Side-Story“ erschien zuletzt doch ein wenig zu lang, weil man in der Gag-gespickten Handlung zwischen Peter Gunn-weiler, Kardinal Ratzinger, dem Jungfrauenverein Scheiberstolz und allerhand Nebenpersonen die Orientierung verlor.

Aber wenn sie nicht alle so begnadete Musiker wären, dann hätten die Jünglinge ohnehin fast nichts anderes als Kabarettisten werden können, denn die Bühnenprofile legen diesen Werdegang nahe: Der trocken-geschmerzte Moderator Andreas Hofmeir ließ dem Publikum keine Sekunde Ruhepause, beim bajuwarisch-barocken Alex Berger war allein schon der Anblick seiner Statur in der voluminösen Lederhose ein Genuss, an Johann Kutschera mit seinem engelsgleichen Lächeln ist ein klerikaler Würdenträger verloren gegangen und Dominik Harrer bestreitet mit seinem Stimmvolumen allein locker die Hälfte eines bodenständigen Viergesangs.

 

KONSTANZE KILGER