Ebersberger SZ vom 23.04.2001


Liedermacher des Wortes
Michael Eberle mit Soloprogramm im „alten kino“

Ebersberg - Michael Eberle ist mit Sicherheit ein lustiger Bursch’. Das Soloprogramm des Mitglieds des Kabaretts „Stachelbär“ lässt Kritiker jedoch etwas ratlos zurück. Zu viel ist richtig gut, als dass man es schlecht nennen könnte. Aber es sind zu viele Ungereimtheiten und Längen drin, als dass man es über den berühmten grünen Klee loben könnte. Zunächst ist es ein Sammelsurium verschiedener Genres der Kleinkunst. Steigt Eberle mit Ansätzen politischen Kabaretts ein, ist es hier nur seine hektische Art, die Spaß macht. Denn Merkel und Merz als „Dick und Doof“ zu titulieren, ist nicht wirklich witzig.

Aber wie Eberle richtig bemerkte: „Ma weiß ja vorher ned, was ma hinterher ned kann.“ Das klassische politische Kabarett ist es also nicht. Zu großer Form läuft Eberle indes auf, wenn es um bayerisch-deutsche Abschiebepolitik geht: Wenn er diese als letzten Endes „konsequenten Opferschutz“ – indem man den Neonazis ihre Opfer gewaltsam entzieht – bezeichnet, ist er richtig gut. Das geht soweit, dass er deutsche Urlauber als Abschreckungsbrigaden

dieser Politik instrumentalisiert sieht, als Abschreckung Migrationswilliger in den gebeutelten Herkunftsländern, die häufig ja Ziel der Freizeitkolonialisten sind.

Alles andere ist ein Parforceritt durch alle bekannten Kabarettthemen: Fernsehen, Altern, Konsum, Drogen im Sport, Esoterik, Baumarkt und Öko-Essen. Hier sind übrigens die Polit-Seitenhiebe dann wieder das Lustigste: So etwa bei Reinkarnationserörterungen zu dem Schluss zu kommen, „dass sich die drei Straußkinder ein Hirn teilen“. Dabei ist Eberle ein Minimalist der Darstellung, was diverse Längen noch unterstreicht. Ihm würde für das permanente Reiben der Hände, in Fernsehmoderatoren-Art, ein Podest von nicht mehr als zwei Quadratmetern reichen.

Sein Kapital ist ein lustiges Gesicht, mit welchem er ziemlich wuchert. Seine Geschichten sind oft zu kompliziert und sperrig, die sprachverzerrenden Dialoge meist zu ehrgeizig und auch zu lang. Es schimmert oft eine seltsame Melancholie hindurch, die ihn eher wie einen Liedermacher des gesprochenen Wortes erscheinen lassen, denn als Komiker. Der sehr hektisch e, sprachliche Vortrag könnte ebenfalls durchaus noch etwas Schliff gebrauchen.

Richtig urkomisch ist er, wo er den Anbieter von Öko-Schweinswürsten diese damit anpreisen lässt, dass er das Schwein nach Montessori erzogen habe und es jetzt gerne tot sei, oder wenn er Zwangshandlungen beim Verlassen der Wohnung bis zu dem Satz treibt: „Dann sperr ich zwei Mal zu und dann zwei Mal wieder auf, um sicher zu gehen, dass ich vorher zwei Mal zugesperrt habe.

 

FRIEDRICH C. BURSCHEL