Ebersberger SZ vom 27.03.2001

Diashow „Auf den Spuren der Sioux“ im „alten kino“
Mythos und Realität der Erben von Sitting Bull
Mitten im reichsten Land der Erde treffen Peter Hinz-Rosin und Dirk Rohrbach bei ihren Reisen auf Drittweltzustände

Ebersberg - „Auf den Spuren der Sioux“ sind sie gewandelt, der SZ-Fotograf Peter Hinz-Rosin und der Radiojournalist Dirk Rohrbach. Auf ihren wochenlangen Reisen haben sie Erzählungen, Schicksale, aber vor allem Bilder und Töne aus den Black Hills in South Dakota eingefangen. Daraus haben sie eine eindrucksvolle Diashow zusammengestellt, die sie am Sonntagabend einem begeisterten Publikum im „alten kino“ vorgestellt haben.

Eine Reise ins Land der Indianer, das weckt natürlich Sehnsüchte nach einer heilen Welt der Harmonie. Die Bilder von den Naturschönheiten South Dakotas sind auch zunächst dazu angetan, dieses angenehme Bild im Kopf zu erzeugen. Doch schnell verwischt sich der Eindruck der heilen Indianerromantik. Hinz-Rosin und Rohrbach haben das Leben im Tipi selbst ausprobiert – das war noch einigermaßen komfortabel. Die Bilder von den Bretterslums in den Indianerreservaten, in denen eine Großfamilie heutzutage auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht ist, spricht dann aber bald eine andere Sprache von der tatsächlichen indianischer Wohnqualität.

Hier, im Herzen eines der reichsten Länder der Erde, finden sie „Drittwelt-Zustände“ an, wie Dirk Rohrbach mehrfach erläutert. Die hygienischen Zustände sind erbarmungswürdig. Das Trinkwasser wird aus dem Spülkasten einer verrotteten Toilette abgezweigt. Und die Indianerkinder, die auf trostlosen Haushöfen herumlungern, erinnern mit ihren großen traurigen Augen an jene Indios, mit denen humanitäre Organisationen zur Weihnachtszeit an das soziale Gewissen der Menschen hierzulande appellieren.

Die Faszination, die von Land und Leuten auf Peter Hinz-Rosin und Dirk Rohrbach ausgegangen sein müssen, sind deutlich zu spüren. Die rauhe Unmittelbarkeit der Natur in South Dakota erleben sie beim Campen unter freiem Himmel, genauso wie die amerikanischen Nostalgiker, die „mountain men“, die beizeiten den Pioniergeist ihrer Großväter nachleben. Auch und gerade in den wunderschönen Fotografien von Hinz-Rosin kommt die Faszination zum Ausdruck. Die Konturen eines Bison vor dem Sonnenuntergang vermitteln dabei aber nicht den falschen Eindruck einer heilen Welt, sondern vielmehr deren bitteren Verlust.

Trapper, amerikanische Indianerfreunde, ein Ebersberger Aussteiger, der in South Dakota die „Four Winds“-Farm als interkulturellen Treffpunkt aufgezogen hat, Sioux und Creek-Indianer kommen bei dem Vortrag zu Wort. Die Nachkommen von Sitting Bull beklagen vor allem den Verlust ihrer Würde. Das Projekt von Hinz-Rosin und Rohrbach hat ihnen wenigstens etwas davon zurückgegeben.

GREGOR SCHIEGL