Ebersberger SZ vom 29.01.2001


Schluss mit lustig
Kabarettist Hans Günther Butzko im „alten kino“

Ebersberg - Noch so was Lustiges im Fernsehen, hohoho. Eine „Crazy-Party Gaga-Comedy-Musical-Show“ – wo hat es das jemals gegeben? Moderieren soll sie Schnellfeuerredner aus dem Ruhrpott, Hans Günther Butzko. Und damit wäre er womöglich der 3457. Newcomer in der Fernseh-Comedy-Szene. Erst einmal muss er aber ein Konzept abliefern. Sein Programm „Butzkolonne“, das er am Samstag Abend im Ebersberger „alten kino“ gespielt hat, zeigt das Ringen des Comedy-Moderators in spe um Pointen und das mediale Dilemma zwischen Comedy und Inhalt.

Die Spielzeit vor der Pause nutzt der ausdrucksstarke und in der Typendarstellung unheimlich variable Butzko für einen Comedy-Testlauf. Einen Kalauer nach dem anderen haut er dem Publikum um die Ohren, und je nach Reaktion vermerkt er, ob der „Wortwitz ankommt“. Butzko bedient sich einer perfiden, aber geradezu genialen Methode, um das Publikum zum Grübeln zu bringen. Während er mit harschen Worten die Verblödungsstrategien der Unterhaltungsindustrie geißelt, pult er aus jeder Sendung einen dummen Spruch heraus. Etwa: „Geht ein Pole an einem Mercedes vorbei.“ Wer darüber lacht sollte sich schämen. Aber wer kann sich bei Butzkos schräger Interpretation schon ein Lachen verkneifen? Eigentlich keiner.

Butzko demonstriert seinem Publikum subtil, dass es selbst ein stützender Bestandteil der sinnentleerten Totlachgesellschaft ist. Seine kühne Parallele zwischen der massiven TV-Verblödung und faschistischem Totalitarismus ist in der Sache zwar überzeichnet, aber nicht gänzlich an den Haaren herbeigezogen. Der Medienwahnsinn, so seine These, soll uns von etwas ablenken. „Aber von was?“ Auf jeden Fall ist es etwas Ungeheuerliches, eminent Wichtiges. Eines Tages, wenn alles ans Tageslicht kommt, „denn nachher kommt immer alles raus“, ja, dann werden uns unsere Enkel fragen: „Habt ihr denn nichts davon gewußt?“ Ja, wovon?

Davon zum Beispiel, dass jeder Politiker als Volksvertreter „uns den James machen“ müsste. Davon, wie absurd es ist, wenn Ausschüsse in abhörsicheren verschlossenen Zimmern den Großen Lauschangriff beschließen. Davon, dass bei Umweltmaßnahmen immer andere den Anfang machen sollen, bei Waffengeschäften aber stets das Argument zu hören ist: „Wenn wir es nicht machen, machen es die anderen.“ Wie weit ist es gekommen, dass solche simplen Wahrheiten wie eine arkane Weisheit wirken?

GREGOR SCHIEGL