Ebersberg - Ein bisschen ließ sich das Publikum bitten, seiner Freude und Begeisterung ganz einfach auch hörbaren und sichtbaren Ausdruck zu geben. Die Aufforderung dazu kam von Michael Flannagan, dem Gastsänger des Gospelchors der St. Lukas Kirche in München. Nach mitreißenden Rhythmen, vom Chor gut präsentiert, die sich zum Schluss des Programms zum „Oh happy day" steigerten, war dann der Funke endgültig doch noch über gesprungen, die vielen Besucher im „alten kino" in Ebersberg klatschen voller Begeisterung mit.
Mit wechselnden solistischen Stimmen und auch wechselnden kurzen Dirigaten der Chorsänger gab der Chor ein abwechslungsreiches Konzert unter der Leitung von Matthias Preißinger, der am Klavier begleitete. Nicht das vertraute Traditional, dessen englischen Text man vielleicht gar nicht mehr so genau wahrnimmt, um dessen Gehalt auf sich wirken zu lassen, stand am Anfang des Programms. „Du bist da, mein Gott, von Anfang an, wie ein guter Freund", sang der Chor, klar rhythmisiert und in deutlichen dynamischen Bewegungen.
Diese Glaubensaussage, mit überzeugendem verinnerlichten Ausdruck außerhalb eines kirchlichen Raums gesungen, wies klar auf die gewollte Wirkung der Musik an diesem Abend. Hier sollte keine Show ablaufen, sondern mit verständlicher Sprache und eingängiger Musik christliche Glaubensinhalte verkündet werden. Auch wenn sich die Chorsänger im Rhythmus dazu bewegten oder mitklatschten, nahm das Publikum dies zunächst verhalten auf. „Ich höre über mir Musik, irgendwo muss es Gott geben", erklang es solistisch nach einem längeren Klaviervorspiel und der Chor setzte in größter Steigerung des Tempos und des Ausdrucks fetzig seinen Part hinzu.
Mit großer Körpersprache und frei fließenden Emotionen überzeugten die Sänger und ließen die Texte wirken. „Ich singe, weil ich glücklich bin", leitete in ein Medley der bekanntesten Gospelsongs ein, die ausgesprochen interessant arrangiert waren. Für den amerikanischen Sänger Michael Flannagan liegt die frohe Botschaft auch in der Gewissheit, dass wir nicht allein sind.
Die Negro-Spirituals trug er einfühlsam, geradezu emphatisch vor. Die Umsetzung reiner Lebensfreude gelang dem Chor mit einem Song von Eric Bond, dem amerikanischen Sänger, der früher zum St. Lukas-Chor gehörte und der bewusst mit seinen deutschsprachigen Songs den Geist des Gospel dem deutschen Publikum nahe bringen wollte. In Ebersberg gelang dies eindrucksvoll.
SABINE RADLOFF