Münchner Merkur online / Ebersberger Zeitung, 5. Dezember 2000

Ganz schnell "anschlallen"
Erwin Grosche fasziniert mit phantasievollen Zungenbrechern


Ebersberg Wieder einmal Bühne frei fürs Kabarett hieß es Sonntag im alten kino, und tatsächlich, Stühle und Tische waren alle besetzt, aber diesmal nicht - oder zumindest nur mit wenigen Erwachsenen. Denn: Erwin Grosche, Schauspieler und Kinderbuchautor präsentierte KuBuKiKa, sein kunterbuntes Kinderkabarett. Er sang, spielte und las aus seinem Buch "Auf leisen Sohlen - Paulines Traumwelt". Anlass dazu war die Ausstellungseröffnung gestern Abend im Ebersberger Rathaus der Zeichnerin Dagmar Geisler, die dieses Buch illustriert hat. Lieder zum Mitsingen, Mitklatschen, Mitpusten wurden vorgestellt und der ganze Zuschauerraum wurde miteingebunden. Aber auch Gedichte und kleine Erzählungen, Alltagssituationen, angereichert mit jugendlicher Fantasie, alles direkt der Kinderseele entnommen. Das Publikum durfte imaginäre Autofensterscheiben anhauchen und dann Schriftzüge und Gespenster hineinmalen oder einen riesengroßen Luftballon, den es gar nicht gab, aufblasen, bis er platzte.
Alle singen stumm
wie ein Fisch
 
Bei dem Lied "Fisches Nachtgesang" machten alle eifrigst stumme Mundbewegungen. "Das ist auch für mich immer ganz komisch", so Grosche, "Wenn der ganze Saal mitmacht." Ohne Zweifel. "Und", beruhigte er seine kleinen und großen Zuhörer, "denkt euch nichts, wenn es nicht gelingen sollte, es gibt schließlich noch eine Strophe!" Die war natürlich genauso stumm.
Dann kam das Lied vom Frühstücksei. Da durften alle den einszweidrei-Refrain mitsingen, und weil es gar so gut geklappt hatte, gab es noch die "Doppeltsoschnellstrophe". Die Devise hieß "Anschlallen", und wer diesen Zungenbrecher schadlos überstanden hatte, konnte sich bei Grosches witzigen Darstellungen von Alltagsgegenständen erholen und aus tiefstem Herzen lachen. Da personifizierte er sich zunächst mit der Toilettenspülung und sang mit tief rauschender Stimme "Ich bin die Toilettenspülung, und ich bring' dem Hintern Kühlung". Als lebender Staubsauger sog er die Luft ein und sang gewissermaßen "nach innen", wie auch immer er das gemacht haben mag. Am Lustigsten aber fand ihn das Publikum als Scheibenwischer: aufrecht wippend von links nach rechts und von rechts nach links, immer mit dem gleichen, monotonen Gummiquietsch-Geräusch. Dafür erntete er üppigen Applaus. Auch seine neue Version des Forschkönigs, eine Romanze zwischen der Verkäuferin eines kleinen Milchladens und einem Frosch, der immer nur "Qua(r)k" sagte, aber in Wirklichkeit ein Molkereibesitzer war, wurde mit viel Gelächter belohnt.
Ebenso bei den zehn kleinen Negerlein, die Grosche in eine Ballade "der zehn kleinen Eierlein" umgeschrieben hatte, bogen sich die kleinen Zuschauer vor Lachen. Ein paar gute Tipps fürs richtige Leben wurden ihnen auch gleich mit auf den Weg gegeben. Zum Beispiel: "Was kann man tun, wenn man mal so richtig wütend ist!" Erstaunt durften Groß und Klein zuhören, wie viele Möglichkeiten es gibt, mit seiner Wut fertig zu werden. Da war der einfache, und doch so wirkungsvolle Zauberspruch gegen das wütend Sein, man konnte aber auch seine Knautsch- und Knutschkissen solange knautschen, bis die Wut vorbei ist und man wieder Lust zum Knutschen hat. "Darüber freut sich dann auch das Kissen!" so der Kabarettist. Oder man versuchte es mit dem Brülleimer: Kopf rein und brüllen, alles bleibt im Eimer!   Evi Thiermann