Ebersberger SZ vom 20.11.2000


Jura-Stilblüten, Zoten und Kalauer
Werner Koczwara erweist sich einmal mehr als begnadeter Plauderkünstler

Ebersberg - Werner Koczwara ist ein Plauderkünstler reinsten Wassers. Er versteht es sein Programm mit Stentorstimme ohne Punkt und Komma in den Raum zu stemmen. Dass er dabei im „alten kino“ am Samstag ein Mikroport verwendete, machte es teilweise anstrengend, der dröhnenden Suada zuzuhören. Obwohl der quasselnde Schwabe mit seiner Mimik höchst sparsam umgeht, nimmt er mit seiner fast bürokratischen Art – dem Thema angemessen – sein Publikum ein und verlässt die Bühne nicht eher als bis das Lachen im Saal zum Brüllen wird. Er ist ein Könner und ein auch ein Routinier ohne dabei an Tempo oder Biss zu verlieren.

Natürlich ist die Rechtsordnung mit ihren vielen grotesken Paragraphen und Facetten ein gefundenes Fressen für den Mann, der zuletzt die Bibel in ähnlicher Weise in die Mangel nahm. Er vermag den absurden Charme eines Satzes wie „Stirbt ein Beamter während der Dienstreise, ist die Dienstreise beendet“ einem japsenden Publikum kühl zu kredenzen, ihn auszukosten. Nur selten greift er aktuelle politische Themen auf, dann aber mit einem makaberen Spaß an der Übertreibung. Ob Bayern nicht eigentlich als Entwicklungsland eingestuft werden müsse angesichts des enormen religiösen Fundamentalismus-, von Wahlergebnissen wie in Bananenrepubliken und einer Bevölkerung, die ständig unter Durst leidet, will er wissen. Aber es könne nicht im Sinne der religiösen Führer sein, dass dann überall Entwicklungshelfer auf den Straßen stünden und Kondome verteilten. Da würden diese Führer eher noch Fahrlehrer der Beihilfe zur Tötung menschlichen Lebens auf deutschen Straßen zeihen.

Koczwara streut immer wieder „Kuno-von-Oyten“-kompatible, mehr oder weniger gelungene Bauernregeln und Kalauer ein. „Der Fuchs ist schlau, er stellt sich dumm, bei Christoph Daum ist's anders rum“ oder „Ist der Körper steif und kalt, braucht er keinen Rechtsanwalt“ – nun ja, das muss man mögen. Sparsam verwendet, mag es durchgehen. Was aber ziemlich nervt am Programm „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“ sind die schlüpfrigen Witze, die meist witzige Einstiege haben, dann aber – bis an die Schmerzgrenze ausgereizt – eher peinlich sind. Natürlich ist ein vorzeitiger Samenerguss rechtlich eine „unzulässige Fristverkürzung“, ein vorgetäuschter Orgasmus eine „arglistige Täuschung“, alles weitere sind blöde Stammtisch-Zoten des Jura-Stilblüten- Jongleurs hinter seinem Kanzleischreibtisch mit Schönfelder-Dekor.

FRIEDRICH C. BURSCHEL

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