Ebersberger SZ vom 07.11.2000

Samstagabend im „alten kino“ Ebersberg
Blues unter Palmen
Peter Schneider und die „Stimulators“ haben ihren eigenen, unverwechselbaren Sound geschaffen

Ebersberg - Den „Stimulators“ lauschen, heißt: Mit einer Montechristo im Mund an einer Bar in San Francisco sitzen und zuschauen, wie die Nebel aus der Oakland-Bay steigen, während eine Rastaband Reggae spielt und einem die mexikanische Kellnerin Caipirinha serviert. Der Name der Band passt, denn jeder Ton stimuliert: Erinnerung, Phantasie – und das Tanzbein. Auch im Ebersberger „alten kino“ konnte man der perkussiven Kraft des Rhythmischen nicht lange widerstehen. Und das nicht nur, weil der Ebersberger Gitarrist Peter Schneider hier ein Heimspiel hat.

Die Band hat der Versuchung widerstanden, sich zur Gänze auf eine der derzeit aus allen Kanälen hereinbrechenden Wellen wie Kuba-Nostalgie, Santana- Wiedergängerei, Tom-Waits-Wehmut oder Neo-Swing einzuschwimmen. Blues-Veteran Peter Schneider, durch einen läuternden US-Trip aus der musikalischen Erstarrung gelöst, surft vielmehr musikalisch elegant und laid-back auf allen Wogen der karibischen Meere, dabei nie außer Acht lassend, dass Key West sein Ausgangspunkt ist. 90 Meilen sind es von hier nach Havanna. Schneider schafft den Brückenschlag spielend.

Mit ihm lernt man die E-Gitarre wieder lieben und all die kleinen Gimmicks der Seventies, die hier so frisch und kraftvoll klingen wie eh und je: Wahwah, Distortion, Doppler, viel Stevie Ray Vaughn, und auch Peter-Framptons Duschschlauch kommt zu Ehren. Hinzugekommen sind jedoch Funk, Crossover, Latin, eine Spur Wes Montgomery, eine Prise George Benson, denen Schneider durch rockige Interpretation die jazzige Pomadigkeit nimmt.

Markenzeichen der Band ist der Dialog zwischen Gitarre und Trompete, mit dem die „Stimulators“ geschafft haben, wovon viele Musiker träumen: einen unverwechselbaren Sound zu kreieren, mal lyrisch, mal funky, mal treibend wie eine Mini-Big-Band.

Gewürzt ist der bluesige, karibisch-amerikanische Cocktail mit einer Prise europäischer Schwermut, die besonders deutlich in dem Kabinettstück der Band hervor schmeckt: der genialischen Guantanamera-Interpretation, bei der Schneider die Folk-Schmonzette mit der Melodie der Gymnopédies von Eric Satie versetzt hat: französische Spätromantik meets kubanische Revolutionsromantik, Reggae und Rap. Und beileibe nicht nur ein Erkennen-Sie-die-Melodie-Spielchen, sondern eine so treibende, wie träumerische Nummer, die diesem Programm zwischen Rock, Ska, Cha-Cha, Swing und Blues voranschwingt wie ein dunkelblaues Sternenbanner. Das alles stimuliert zum Kauf der CD, die jedoch – wie so oft nach packenden Konzerten – die Erwartungen nicht ganz erfüllt; nicht zuletzt, weil auf ihr der begrenzte Tonumfang des Sängers recht deutlich zu Tage tritt. Peter Schneider ist und bleibt ein Live-Erlebnis. Aber was für eins. Eine Schande, dass der Mann kein Star ist.

SEBASTIAN SCHOEPP

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