Ebersberger SZ vom 09.11.2000


Stimmung wie im Fußballstadion
Werner Meiers umjubelter Auftritt im „alten kino“

Ebersberg - Ob es nun um Handy, Internet oder das Klonen ging, Werner Meier hat es vergangenen Samstag verstanden, diese aktuellen Themen mit viel Witz und einem Spritzer Boshaftigkeit aufzubereiten. Im „alten kino" in Ebersberg trat der Kabarettist in einem Strickjanker, einer Leinenhose und einem Filzhut auf die Bühne, um über den bayerischen Menschen im Zeitalter der „Indergermanisierung" und der High-Tech-Industrie zu philosophieren. „Handys sind etwas Lästiges", stellte Meier zu Beginn fest. Trotzdem hat er eins: „Ich erwarte einen wichtigen Anruf", erklärte Meier dem Publikum, als er sein Mobiltelefon auf den Tisch nehmen sein Weißbierglas legte.

Weg vom Handy, hin zu den Hominiden, den Steinzeitmenschen, die „fast so gscheit, aber no ned ganz so weit warn wia mia". Die haben nämlich damals noch keine Greencard gebraucht, um die Entwicklung der Menschheit voranzutreiben. Eines hätten die Steinzeitmenschen aber schon vor Tausenden von Jahren gewusst: Fleisch fördere die Hirnbildung. „Vor allem de Bayern, de warn do ganz gscheit; schaugts eich doch moi der eanane Schwoischädel oh", gab der Kabarettist zu bedenken.

Vorbei seien heute jedoch die Zeiten, wo der deutsche Chef einer ausländischen Putzfrau in gebrochenem Deutsch sagt, was sie putzen soll. Denn heute sei es eher so, dass ein indischer Computerspezialist einer deutschen Putzfrau in gebrochenem Deutsch vorschreibe, was sie zu tun habe. „Na, na, na - Ja wo samma denn?", schüttelte Werner Meier ratlos seinen Kopf.

Bis auf den letzten Platz war die Vorstellung des bekannten Kabarettisten und Kinderliederautoren ausverkauft. Sein neues Programm „www. jawosammadenn.de" stellte er an diesem vor. Dennoch war Meier der Meinung, dass die multikulturelle Mischung den Bayern ausmache. Schon allein die deutsche Nationalmannschaft bestehe überwiegend aus Ausländern. Auch einige spitzfindige Bemerkungen zur „Daum-Affäre" konnte sich Meier nicht verkneifen. Uli Hoeneß mache sich als Drogenfahnder ganz gut, meinte er, nur traue sich seit dieser Sache so mancher Fußballer nicht mehr zum Friseur.

Immer wieder wurde Meiers Show durch den elektronischen Quälgeist unterbrochen. Einmal jodelte das Gerät wegen seiner Tochter, ein anderes Mal wegen einem Freund auf. Nur der gar so wichtige Anruf kam nicht. Egal was Meier tat, die Zuschauer lachten begeistert. Meier brachte sie letztlich sogar zum Singen und zur „Laola-Welle“: „Eine Stimmung wie im Fußballstadion", freute sich Meier und verließ unter tosendem Applaus die Bühne.

sof

 

 

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